Wildcat-Zirkular Nr. 30/31 - November 1996 - S. 73-103 [z30bonef.htm]


[Startseite] [Archiv] [Bestellen] [Kontakt] Zirkular: [Nr. 30/31] [Ausgaben] [Artikel] [Themen]

Geld, Gleichheit und Ausbeutung:

Eine Interpretation der Marxschen Auffassung vom Geld

Werner Bonefeld [1] (in: Bonefeld / Holloway (Hrsg.): Global Capital, National State and the Politics of Money, 1995, Kapitel 8)

Einleitung

Seit der Deregulierung der internationalen Geldmärkte in den Jahren 1971 und 1973 ist Geld zu einer zentralen Achse des Klassenkonflikts geworden. Überall in der Welt haben Regierungen auf den Übergang von festen zu flexiblen Wechselkursen mit einer Politik des knappen Geldes reagiert. Die staatliche Austeritätspolitik erwies sich jedoch als Fehlschlag - zunächst in der Rezession zu Beginn der 80er Jahre, dann in der »Schuldenkrise« der 80er Jahre und schließlich in der Rezession Anfang der 90er Jahre. Der Crash von 1987 und die Rezession Anfang der 90er Jahre läßt sich durchaus mit der Zwischenkriegsperiode vergleichen, daraus folgt jedoch nicht notwendigerweise, daß diese Krise ähnliche Folgen wie in den 30er Jahren haben wird. Aber lassen sich Parallelen so leicht von der Hand weisen?

Eine der Hauptschwierigkeiten bei der Untersuchung der gegenwärtigen kapitalistischen Krise besteht darin, den Zusammenhang zwischen Veränderungen im internationalen Geldsystem und der kapitalistischen Aufzwingung von Arbeit zu verstehen. Um einen Zugang zu diesem Problem zu bekommen, müssen wir die in sich widersprüchliche Existenzweise von »Geld« begreifen. Dieses Kapitel soll ausgehend von Marx' Schriften über das Geld zu diesem Verständnis beitragen. Marx bietet uns eine Reihe von bemerkenswerten Einsichten, die wir fruchtbar machen müssen. Die Marxsche Auffassung vom Geld soll hier als eine Theorie interpretiert werden, in der Geld als ein in sich widersprüchliches Phänomen menschlicher Beziehungen begriffen wird.

Das Verständnis des Geldes als eine in sich widersprüchliche Form menschlicher Beziehungen wirft die grundlegende theoretische Frage nach der Konstitution der gesellschaftlichen Existenz und damit der Konstitution von Kategorien auf. Wie Reichelt (1993, S. 74) gezeigt hat, »wenn wir die Dialektik als eine Methode der Kritik der politischen Ökonomie ernstnehmen wollen, müssen wir die Idee der Konstitution in den Kontext von Wert als einer in ständiger Bewegung befindlichen Form von Existenz stellen«. Anders ausgedrückt, die Kategorie des Geldes kann nicht einfach in den Begriffen »ökonomischer Theorie« verstanden werden - ob sie nun »marxistisch« ist oder nicht (vgl. Marazzis Aufsatz »Das Geld in der Weltkrise«, Thekla 10). Die für die kapitalistische gesellschaftliche Reproduktion konstitutive Widersprüchlichkeit ist nicht die zwischen Finanzkapital und produktivem Kapital, sondern die zwischen Kapital und Arbeit. Die meisten marxistischen Schriften über »Geld« sind auffällig steril, vor allem wenn man sie mit Marx' eigenen Schriften vergleicht. Dies liegt daran, daß sie um ein rein formales Verständnis von »Geld« kreisen und dabei die grundlegende Frage ignorieren, die Marx aufgeworfen hatte, nämlich warum menschliche Beziehungen in der Form eines Verhältnisses zwischen Sachen existieren. [2] Die begriffliche Fassung dieser Frage liefert ein Verständnis von Geld als einem in sich widersprüchlichen Phänomen menschlicher Beziehungen. Diese Betrachtungsweise steht im Gegensatz zu Ansätzen, die Geld entsprechend seiner institutionell gegebenen Bestimmungen »definieren« (Aglietta 1979; Coakley und Harris 1983), und zu solchen, die die Notwendigkeit des Geldes betonen und »Geld« in einer rein formalen Weise aus der Darstellung bei Marx ableiten (De Brunhoff 1976; Reuten 1988; Hall 1992). In all diesen Ansätzen wird die gesellschaftliche Wirklichkeit als ein formales System von Regeln und Gesetzen konstruiert. Obwohl es zwischen den genannten Autoren Unterschiede gibt, so ist ihnen ein Problem gemeinsam: sie verstehen das Kapital auf fetischisierte Weise als ein logisches System. [3] Statt die widersprüchliche Konstitution einer kapitalistischen Welt auf den Begriff zu bringen, betonen diese Ansätze die Rolle und die Widersprüche des »Geldes«. Die Auffassung von der Arbeit als Substanz und den ArbeiterInnen als Schöpfern des Werts und damit des Mehrwerts wird implizit als etwas gesehen, das außerhalb der widersprüchlichen Rolle des Geldes selbst liege.

Dieses Kapitel beginnt mit der Marxschen Auffassung von »Wert« als einer Form menschlicher Praxis. Es folgt die Entwicklung eines Begriffs von »Geld«, wobei die dafür wichtigen Stellen bei Marx zum Geld interpretiert werden. Geld wird dann als die elementare und begriffslose Existenzform der Arbeit im Kapitalismus erörtert werden. Der folgende Abschnitt liefert eine Auffassung von der Beziehung des Staates zum Geld. Dort wird betont, daß der »Staat« eine politische Form ist, innerhalb derer sich die »gesellschaftliche Macht des Geldes« erhält. Der Schlußabschnitt faßt die Argumente zusammen.

Geld und menschliche Praxis

Arbeit wurde von Marx (1857, S. 266) als das »lebendige, gestaltende Feuer; die Vergänglichkeit der Dinge, ihre Zeitlichkeit, als ihre Formung durch die lebendige Zeit« betrachtet. Die Menschen produzieren sich durch Arbeit selber. Arbeit ist eine allgemeine Bedingung der menschlichen Existenz, unabhängig von der konkreten historischen Form der gesellschaftlichen Existenz. Marx versteht Arbeit als Aneignung der Natur, eine gesellschaftliche, sinnliche, kritisch-zweckmäßige Tätigkeit. »Aber die sogenannten allgemeinen Bedingungen aller Produktion sind nichts als diese abstrakten Momente, mit denen keine wirkliche geschichtliche Produktionsstufe begriffen ist« (Marx 1857, S. 10) Die Bestimmung der Arbeit als menschliche Aktivität im allgemeinen muß in ihrer bestimmten historischen Form gefaßt werden. [4] Der Arbeitsprozeß ist die Produktion menschlicher Beziehungen in und durch die »Aneignung der Natur von seiten des Individuums innerhalb und vermittelst einer bestimmten Gesellschaftsform« (Marx 1857, S. 9).

Während die Menschen in jeder Gesellschaft die Rolle von Produzenten spielen, verwandelt sich die einfachste Kategorie, die Arbeit, in der kapitalistischen Gesellschaft in einen mystifizierenden Charakter, weil die materiellen Elemente des Reichtums aus Arbeitsprodukten zu Warenbesitz werden, oder noch deutlicher, sie verwandeln die Produktionsbeziehungen selbst in eine Sache. Die produktive Macht der gesellschaftlichen Arbeit erscheint in der »verkehrten« Form des Werts. [5] Die »objektive« oder faktische Existenz von »Kapital« kann daher nicht als begrifflicher Ausgangspunkt genommen werden, wie es bei den oben erwähnten Ansätzen der Fall ist. Denn das, was sich dem ökonomischen Denken als »Objektivität«, »objektive Logik« oder »objektives Sein« darstellt, ist im Verständnis von Marx »entfremdete Subjektivität« (wie es bei Backhaus 1992 ausgeführt wird). Jede begriffliche Fassung des Geldes, die sich auf seine institutionelle Bestimmtheit, seine formale Logik oder seine funktionale Rolle konzentriert, ignoriert den besonderen Charakter der Marxschen Theorie und führt stattdessen dazu, die verdinglichte Welt des Kapitalismus zum Gegenstand und Zweck der Theorie zu machen. Der besondere Charakter der Theorie von Marx liegt in seiner Auffassung von der wesentlichen sozialen Beziehung, von der »Bewegung der Arbeit in der kapitalistischen Gesellschaft« (Psychopedis, 1984).

Als die besten Punkte in seiner Kritik der Politischen Ökonomie bezeichnete Marx einmal: »1. (darauf beruht alles Verständnis der facts) der gleich im ersten Kapitel hervorgehobne Doppelcharakter der Arbeit, je nachdem sie sich in Gebrauchswert oder Tauschwert ausdrückt; 2. die Behandlung des Mehrwerts unabhängig von seinen besonderen Formen als Profit, Zins, Grundrente etc.« (Marx an Engels, 24.8.1867). Marx bestimmte den Begriff des »Werts« damit qualitativ: als ein allgemeines Äquivalent (Tauschwert) muß er ein Gebrauchswert sein und umgekehrt. Die Marxsche Revolution liegt in der Kritik des Werts als einem Fetisch, der scheinbar übermenschliche Macht besitzt. Die Kritik der politischen Ökonomie zeigt auf, daß »Wert« eine gesellschaftliche Beziehung ist, eine Existenzweise von Arbeit im Kapitalismus. Die Kritik des Fetischismus liefert eine Auffassung von »Wert« ad hominem[6] Das heißt, sie zeigt, daß die sogenannten »ökonomischen Formen« in Wirklichkeit Formen menschlichen Handelns sind. Auf diese Weise führt die Kritik der politischen Ökonomie zu einer »begriffenen Praxis« (Schmidt 1974), d.h. zu einem Verständnis der menschlichen Praxis, die die verkehrte Welt des Kapitalismus konstituiert, sie ausfüllt und ihr widerspricht.

Für Marx ist die Arbeit im Kapitalismus als abstrakte Arbeit bestimmt. Individuelle Arbeit ist abstrakte Arbeit in dem Sinne, daß sie Teil der Arbeit der gesamten Gesellschaft ist, mehr noch, sie erhält erst ihre Bedeutung aus diesem Umstand. Die Kategorie der abstrakten Arbeit existiert durch den Austausch von Waren. Die historische Spezifik der Arbeit betrifft die widersprüchliche Einheit von Austausch und Produktion, die darin liegt, daß die konkreten Arbeiten durch den Warentausch auf abstrakte Arbeit als ihrer gemeinsamen Substanz reduziert werden. »Welches aber immer der Mehrwert sei, den das Kapital im unmittelbaren Produktionsprozeß ausgepumpt und in Waren dargestellt hat, der in den Waren enthaltene Wert und Mehrwert muß erst im Zirkulationsprozeß realisiert werden.« (Marx 1894, S. 835) Der spezifische Charakter der kapitalistischen gesellschaftlichen Beziehungen liegt in der »Integration von Wertform und abstrakter Arbeit als der Substanz des Werts und der Integration von Arbeitsprozeß und Verwertungsprozeß des Kapitals, indem die Aneignung und Verteilung der Mehrarbeit durch Warentausch erzielt wird« (Clarke 1989, S. 136; siehe auch Clarke 1980; Elson 1979). Die Substanz des Werts ist lebendige Arbeit, die vom Kapital zum Zweck der Ausbeutung kommandiert wird. Arbeit ist eine Bedingung der gesellschaftlichen Existenz als ganzer, eine Bedingung, der gegenüber das Kapital nicht autonom werden kann. Das Kapital ist von der Arbeit abhängig. Es lebt davon, die Arbeit sich selbst entgegenzustellen, in der fetischisierten Form der Lohnarbeit, d.h. als eine wertschöpfende Ware.

Geld und Arbeit

Marx faßt Geld als Voraussetzung und Ergebnis des gesellschaftlichen Prozesses des Werts und integriert so Wert- und Geldtheorie als Momente, die sich wechselseitig bedingen und auseinander resultieren (Backhaus 1974 und 1986). Die individuelle Arbeit erhält ihren gesellschaftlichen Charakter durch den Austausch mit Geld in der Zirkulation. Geld ist das »sachliche Medium, worein die Tauschwerte getaucht« werden (Marx 1857, S. 84). In seiner Rolle als universellem Äquivalent zeigt das Geld, daß alle Waren tatsächlich eine gemeinsame Eigenschaft haben: sie sind alle Produkte der »gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit« (Marx 1894, S. 835). Als Medium der Zirkulation agiert Geld als diese gemeinsame Eigenschaft. Nur in und durch Geld stellt sich die besondere individuelle konkrete Arbeit als gesellschaftliche, als abstrakte Arbeit dar. »Das heißt, es ist das Medium durch das konkrete Arbeit abstrakte Arbeit wird. Mit einem Wort, Geld ist die Existenzform der abstrakten Arbeit.« (Kay 1979, S. 58) Die in sich unterschiedene Einheit von Produktion und Zirkulation wird in gleicher Weise durch das Geld hergestellt wie sie von ihm verborgen wird. Sie wird verborgen, weil im Geld die Produktivkräfte der Arbeit den ArbeiterInnen als ein selbständiges »Ding« gegenübertreten. Im Geld wird die gesellschaftliche Bedingung des »Werts«, also zielgerichtete menschliche Tätigkeit, ver-rückt [7] zu abstrakter Arbeit sans phrase. »Als Werte sind alle Waren qualitativ gleich und nur quantitativ unterschieden« (Marx 1857, S. 59). Im Geld tritt die gesellschaftliche Produktivkraft der Arbeit ihr selber entgegen, indem der »Stoffwechsel mit der Natur« (Marx 1894, S. 823) in der Form von scheinbar außermenschlichen Systemeigenschaften existiert: Das »unmittelbare Zusammenwachsen der stofflichen Produktionsverhältnisse mit ihrer gesellschaftlich-sozialen Bestimmtheit« ist eine »verzauberte, verkehrte und auf den Kopf gestellte Welt, wo Monsieur le Capital und Madame la Terre als soziale Charaktere und zugleich unmittelbar als bloße Dinge ihren Spuk treiben« (Marx 1894, S. 838). Der Substanz des Werts tritt seine formale Existenz als die monetäre Autorität des Kapitals gegenüber. Aber diese Autorität existiert nur durch Arbeit, der Substanz des Werts. Zusammengefaßt bedeutet dies, daß die gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit sich ihr entgegenstellen, da die produktive Kraft der ArbeiterInnen nichts bedeutet, wenn sie nicht in Geld ausgedrückt wird.

Geld ist die »elementare« Form der kapitalistischen Organisation des Austauschs und - im Austausch - der Ausbeutung. Es ist ein Ausdruck der »Fähigkeit des Kapitals, mit der Warenform (Tauschwert) Arbeit (abstrakte Arbeit) zu erzwingen« (Marazzi 1988, S. 242). Die Aufzwingung von Arbeit durch die Warenform ist an die Konstitution der Arbeit in der Form von »Lohnarbeit« gebunden, die zunächst als Einkommensquelle sowie als gleiche und freie Austauschbeziehung auf dem Markt bestimmt ist (Marx 1867, Kap. 6, Marx 1894, Kap. 48). Die Arbeit erhält ihre Existenz als Lohnarbeit, eine Existenz, auf der die Ausbeutung beruht und durch die zugleich der spezifische Charakter der Mehrwertproduktion »beseitigt« (Marx 1894, S. 822) wird. Die Konstitution der sozialen Beziehungen auf der Basis von formaler Gleichheit, Freiheit und Privateigentum behandelt die sozialen Beziehungen und die Macht des Geldes als gleich. Geld ist die Form, in der und durch die Freiheit, Gleichheit, Eigentum und Bentham ihre Geltung bekommen. Als eine Beziehung der formalen Freiheit verkündet das Geld nichterzwungene Tauschbeziehungen zwischen Gleichen auf dem Markt. Als eine Beziehung der formalen Gleichheit verkündet es die Ungleichheit der Eigentumsverhältnisse. Dies geschieht jedoch dadurch, daß es Ausbeutungsbeziehungen als Beziehungen formaler Gleichheit darstellt: vor dem Geld sind alle gleich. Als Besitzverhältnis zeigt das Geld die Beziehung jedes Individuums zur Gesellschaft an. Als Bentham-Beziehung, zeigt das Geld das Streben nach individuellem Glück an. Die geldliche Gleichheit in der Zirkulation verleugnet einen Inhalt, der in Ungleichheit und der gesellschaftlichen Reproduktion als Herrschaft besteht. Die Ausbeutungsverhältnisse sind der Inhalt der Gleichheit, die im »Geld« ausgedrückt wird, das die Form ist, in der sich der Widerspruch zwischen formaler Gleichheit und Ausbeutung bewegt. Aber die Ver-rückung der Arbeit zur Lohnarbeit »beseitigt« nicht die widersprüchliche Existenzweise des Kapitals. Diese Ver-rückung ist keine vollendete Tatsache, sondern setzt »Arbeit als wertbildend« (Marx 1894, S. 831) voraus. Wenn von der »Lohnarbeit« ausgegangen wird (wie es z.B. in den Theorien der Regulation und der Profitklemme der Fall ist [8]), dann ist darin schon die begriffliche Fassung des »Kapitals« als einer fetischisierten Form enthalten, d.h. als einer ökonomischen Form. Darauf hat Psychopedis (1991) hingewiesen. Solche Auffassungen können die gesellschaftliche Konstitution der Form »Lohnarbeit« nicht klären, weil in ihnen Arbeit lediglich als eine wertschöpfende Ware betrachtet wird, die vom Kapital in Bewegung gesetzt wird.

Wie bereits dargestellt wurde, verwandeln sich die »gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit« (Marx 1894, S. 835) in der Form des Kapitals in ein sehr mystisches Wesen. Als die »universale Form der Arbeit« (Marx 1859, S. 79) negiert das Geld die gesellschaftlichen Beziehungen als menschliche Beziehungen und behauptet stattdessen, die gesellschaftlichen Beziehungen seien Beziehungen zwischen Dingen. Geld negiert also seinen eigenen Inhalt, die zielgerichtete produktive Aktivität der Arbeit. »Kapital« erhält so eine Existenz als ein »automatisches Subjekt« (Marx 1867, S. 169) [9] Diese Charakterisierung bedeutet nicht, daß das Kapital eine eigene, von der Arbeit unabhängige Logik besitzt. [10] Solch ein Verständnis wäre nicht in der Lage, die grundlegende Frage nach der gesellschaftlichen Konstitution des Werts zu stellen und damit den Fetischismus zu kritisieren. Die Produktivkraft der Arbeit existiert innerhalb des Kreislaufs des gesellschaftlichen Kapitals als ganzem in der Form abstrakter Arbeit. Der Kreislauf des gesellschaftlichen Kapitals ist die Bewegung der abstrakten Arbeit. Anders gesagt, das, was sich hinter dem Rücken der Subjekte vollzieht ist die Bewegung der gesellschaftlichen Totalität des Werts (siehe Backhaus 1992) - oder die abstrakte Kategorie der Arbeit in Aktion. Die kapitalistische Reproduktion ist gesellschaftliche Reproduktion in einer verkehrten Form: private Produktion in einem gesellschaftlichen Zusammenhang. Da der gesellschaftliche Charakter der privaten Produktion keine bewußte Entscheidung der Gesellschaft ist, und da letztere nur in der verdrehten Form der privaten Zersplitterung (Warenproduktion) existiert, tritt den individuellen Produzenten das gesellschaftliche Dasein der privaten Produktion als ein äußerliches und unabhängiges Ding gegenüber, das nach Marx die Bedingung dafür ist, »daß sie als unabhängige Privatpersonen zugleich in einem gesellschaftlichen Zusammenhang stehn« (1857, S. 909). Die Verkehrung der gesellschaftlichen Arbeit in Kapital als einem »automatischen Subjekt« unterstellt die Existenz der Arbeit als eine Abstraktion in Aktion, die das Kapital in den Grenzen dieser Form halten muß. [11]

Die kapitalistische Produktion ist nicht einfach Produktion von Gebrauchswerten, sondern Produktion von Wert, die wiederum Produktion von Mehrwert ist (Negri 1984), und sie ist nicht einfach Produktion von Mehrwert, sondern die gesellschaftliche Reproduktion der gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse (Clarke 1982). Die lebendige Arbeit erhält ihre gesellschaftliche Form der abstrakten Arbeit innerhalb des Kreislaufs des gesellschaftlichen Kapitals als einem Ganzen. [12] »Das Kapital pumpt Mehrarbeit durch Zwang aus der Arbeitskraft heraus und realisiert das Produkt der Arbeit als abstrakten Wert in der Sphäre der Zirkulation« (Marx 1894, S. 830). Diese Sphäre vermittelt die rastlose Aneignung von Arbeit.

»Fassen wir alle drei Formen [Geld, Ware, produktives Kapital] zusammen, so erscheinen alle Voraussetzungen des Prozesses als sein Resultat, als von ihm selbst produzierte Voraussetzungen. Jedes Moment erscheint als Ausgangspunkt, Durchgangspunkt und Punkt der Rückkehr. Der Gesamtprozeß stellt sich dar als Einheit von Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß; der Produktionsprozeß wird Vermittler des Zirkulationsprozesses und umgekehrt.« (Marx 1884, S. 104)

Die Verlegung der Ausbeutung in die Zirkulation und umgekehrt die Verlegung der Zirkulation in die Ausbeutung bedeutet, daß die Bewegung einer besonderen Form des Kapitals selbst nur ein Moment der Allgemeinheit seiner Form ist. Kapital »zirkuliert in der Gestalt einer ständigen Änderung der Form, seine Existenz ist der Prozeß, die Einheit seiner Form, sie ist der beständige Wechsel zwischen der Form der Allgemeinheit und der Form der Besonderheit, zwischen Geld und Ware« (Reichelt 1978, S. 48). Die in sich widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion umfaßt verschiedene Formen von Kapital, das nur als in sich unterschiedene Einheit existiert, d.h. als das Kontinuum der Formen abstrakter Arbeit in Aktion. Geld und Ware »repräsentieren nur verschiedene Existenzweisen des Werts selbst, das Geld seine allgemeine Weise, die Ware seine besondere, oder sozusagen verkleidete Form« (Marx 1867). Wert kann nicht als ein statisches Ding begriffen werden. Den Wert als bloße Abstraktion zu betrachten, hieße zu »vergessen, daß die Bewegung des industriellen Kapitals diese Abstraktion in actu ist« (Marx 1884, S. 109) Diese Abstraktion in Aktion ist mit der konstitutiven Macht der Arbeit verbunden: der Stoffwechsel mit der Natur existiert in widersprüchlicher Weise in der Form einer Beziehung zwischen den Dingen selbst. »Die Zirkulation ist die Bewegung, worin die allgemeine Entäußrung als allgemeine Aneignung und die allgemeine Aneignung als allgemeine Entäußrung erscheint.« (Marx 1857, S. 111) Die allgemeine Entfremdung der menschlichen Beziehungen als Beziehungen zwischen Dingen ist die allgemeine Aneignung der in Geld gemessenen gesellschaftlichen Produktivkräfte der Arbeit.

Die verschiedenen Formen des Kapitals verhalten sich verschieden zur Arbeit. Die Bewegung des Werts existiert in der Form eines dialektischen Kontinuums als Produktion sans phrase (das ist die Objektivierung des Kapitals in Maschinerie und damit unbeweglich) und zugleich als Beweglichkeit sans phrase (das ist Kapital in der Form des Geldes als gesellschaftliche Inkarnation des abstrakten Reichtums). Dieses dialektische Kontinuum existiert als ein Prozeß des Widerspruchs, in dem verschiedene Formen des Werts zusammen existieren und in dem sich einzelne Kapitale nacheinander von einer in die andere Wertform verwandeln. Produktives Kapital, Warenkapital und Geldkapital sind die Formen, die der Wert im rastlosen Prozeß seiner Ausweitung annimmt. Ihre Unterschiedlichkeit existiert nur als Einheit der Unterschiede und damit als widersprüchliche Bewegung. Diese widersprüchliche Bewegung wird nicht durch die Konkurrenz zwischen verschiedenen Kapitalfraktionen oder durch die »Logik« des Kapitals [13] konstituiert, sondern durch die widersprüchliche Integration von abstrakter Arbeit und Wertform. »Das Geldverhältnis (ist) selbst ein Produktionsverhältnis (...), wenn die Produktion in ihrer Totalität betrachtet wird.« (Marx 1857, S. 128) Die kapitalistische Ausbeutung der Arbeit ist dem Geldverhältnis nicht äußerlich, sondern sie ist konstitutiv für das Geldverhältnis selbst. Der gesellschaftliche Charakter der Arbeit erscheint als die geldliche Existenz der Waren und damit als ein der unmittelbaren Produktion äußerliches Ding. Diese »Äußerlichkeit« ist eine Existenzform der Arbeit im Kapitalismus. »Das Geld bringt diese Gegensätze und Widersprüche nicht hervor; sondern die Entwicklung dieser Widersprüche und Gegensätze bringt die scheinbar transzendentale Macht des Geldes hervor.« (Marx 1857, S. 65) Die Auffassung, daß »Geld (...) die Arbeitszeit als allgemeiner Gegenstand« ist (Marx 1857, S. 85), bedeutet, daß Arbeit die konstitutive Macht des Reichtums ist. Das heißt, daß die verdinglichte Allgemeinheit des Geldes nur in und durch die Arbeit existiert. Die Integration der gesellschaftlichen Produktion mit der kapitalistischen Reproduktion wird damit nicht durch das Geld als einem bloß ökonomischen Maßstab erreicht, sondern durch Geld als einer Form des gesellschaftlichen Kommandos, das die Einheit von Produktion und Zirkulation »gewaltsam« (Marx 1857, S. 68) herstellt. Die innere Einheit von Kauf und Verkauf wird »durch eine gewaltsame Explosion hergestellt« (Marx 1857, S. 112), eine Explosion, die den widersprüchlichen Charakter der kapitalistischen Aneignung der Arbeitsprodukte »durch und vermittelst der Ent- und Veräußerung« (Marx 1857, S. 111) aufzeigt. Geld ist der Produktion nicht äußerlich, weil die Zirkulation sich selbst darstellt als ein »Prozeß der Produktion, der reale Stoffwechsel. Und so ist denn das Geld selbst bestimmt als besondres Moment dieses Produktionsprozesses.« (Marx 1857, S. 130) Die produktive Existenz des Geldes ist die Aufzwingung von Arbeit durch die Warenform. Geld ist ein Allgemeines in Bewegung - es ist in »beständigem Flusse, und mehr oder minder auf der ganzen Oberfläche der Gesellschaft vorgehend; ein System von Tauschakten« (Marx 1857, S. 103), und auf diese Weise ein System der erzwungenen Arbeit.

Die Umwandlung des Werts von einer Form in die andere integriert Produktion und Zirkulation als verschiedene Momente desselben Prozesses. Jedes Moment ist zugleich Resultat und Voraussetzung des anderen in und durch die Ausbeutung von Arbeit. Zirkulation und Produktion sind Unterschiede innerhalb der Einheit, deren gemeinsames Interesse die »Verwertung des Werts als bestimmender Zweck, als treibendes Motiv« ist (Marx 1884, S. 104). Die gesellschaftliche Gültigkeit der im Zirkulationsprozeß angeeigneten Arbeit unterstellt die gesellschaftliche Vergleichung der einzelnen Kapitale in Ausdrücken von gesellschaftlich notwendiger Arbeitszeit in Form von Geld. Die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit beschränkt die individuellen Kapitale in Form einer durchschnittlichen Profitrate. Es findet ein »Ausgleichungsprozeß der Kapitale« statt, der »die relativen Durchschnittspreise der Waren von ihren Werten und die Durchschnittsprofite in den verschiedenen Produktionssphären (...) von der wirklichen Exploitation der Arbeit durch die besonderen Kapitale losscheidet. (...) Der Profit erscheint nur noch akzessorisch bestimmt durch die unmittelbare Exploitation der Arbeit (...). Die normalen Durchschnittsprofite selbst scheinen dem Kapital immanent, unabhängig von der Exploitation.« (Marx 1894, S. 836f.). Dadurch erscheint das Kapital schließlich als ein wertschöpfendes Ding. Dieses »Verhältnis der Dinge unter sich« (Marx 1976, S. 145) verschleiert den inneren Zusammenhang zwischen dem »Wert« und seiner gesellschaftlichen Konstitution. Die Sphäre der Zirkulation, in der die Produkte der Arbeit als abstrakter Wert realisiert werden, ist »vom Zufall beherrscht«, während das »innere Gesetz« des Klassenkampfs um die Ausbeutung »den einzelnen Agenten der Produktion selbst unsichtbar und unverständlich bleibt« (Marx 1894, S. 836). Alles erscheint als zufällig. Die Produktionsverhältnisse erscheinen als unabhängig voneinander und die Profite scheinen »aus seinem eigenen Schoß« zu entspringen (Marx 1894, S. 835). In der Zirkulation stellt sich der Profit als die Quelle von Einkommen aus Kapital dar, eine Quelle, in der die Kategorie der Mehrarbeit ausgelöscht ist. »Noch mehr fällt aller Zusammenhang fort, sobald sich die Formel verwandelt in die: 'Kapital - Zins■.« (Marx 1894, S. 832) Auch wenn der Zusammenhang scheinbar verschwunden ist, die verdinglichte Allgemeinheit des Geldes existiert nur in und durch die abstrakte Kategorie der Arbeit.

Kapital existiert als individuelles Kapital nur innerhalb der historisch dynamischen und sich ändernden Zusammensetzung des gesellschaftlichen Prozesses des Werts. Besondere Kapitale sind nur Momente in diesem Prozeß, deren Beweglichkeit ihnen durch die Flüssigkeit des Geldkapitals aufgezwungen wird. Der Kreislauf des Geldkapitals ist nach Marx (1884, S. 65) die »schlagendste und charakteristischste Erscheinungsform des Kreislaufs des industriellen Kapitals«. Geld ist der materielle Repräsentant des allgemeinen abstrakten Reichtums, der allgemeinen Arbeit, d.h. der Arbeit aller Individuen (siehe Marx 1857, S. 135). Als Repräsentant der abstrakten Arbeit ist Geld die universelle Macht: es ist ein Mittel, um »die wirkliche Allgemeinheit« (Marx 1857, S. 136) einer gesellschaftlichen Existenz zu schaffen, in der das »Kapital (...) die Mehrarbeit, die sich im Mehrwert und Mehrprodukt darstellt, direkt aus den Arbeitern aus(pumpt)« (Marx 1894, S. 829). Der gesellschaftliche Charakter der individuellen Arbeit zeigt sich den besonderen Kapitalen durch die Geldform.

Das Geldkapital ist der rationelle Ausdruck der Gleichheit, Produktivität, Repression und Dinglichkeit, die die Bestimmtheit des Reichtums als einen gesellschaftlichen Prozeß der abstrakten Arbeit kennzeichnen. Es ist nicht nur die wirkliche Allgemeinheit der abstrakten Arbeit, sondern auch und deswegen die elementare Form des kapitalistischen gesellschaftlichen Kommandos. Das »Geld-Subjekt« (Marx 1857, S. 85) ist an die Aufzwingung von Arbeit durch die Warenform gebunden, das heißt durch die formale Gleichheit und die formale Freiheit, die die kapitalistischen Austauschbeziehungen charakterisieren. »Das allgemeine Interesse ist eben die Allgemeinheit der selbstsüchtigen Interessen. Wenn also die ökonomische Form, der Austausch, nach allen Seiten hin die Gleichheit der Subjekte setzt, so der Inhalt, der Stoff, individueller sowohl wie sachlicher, der zum Austausch treibt, die Freiheit. Gleichheit und Freiheit sind also nicht nur respektiert im Austausch, der auf Tauschwerten beruht, sondern der Austausch von Tauschwerten ist die produktive, reale Basis aller Gleichheit und Freiheit.« (Marx 1857, S. 156) Das Geld behandelt die Beziehungen der Ausbeutung und die zwischen Bürgern als gleich. Alle individuellen Marktagenten sind vor dem Geld gleich. Als »Versachlichung«, »versachlichtem Verhältnis«, »versachlichtem Tauschwert« (Marx 1857, S. 78) »stellt das Geld das universelle Terrain dar, auf dem alle Subjekte auf Tauschsubjekte reduziert werden« (Bologna 1993b, S. 67). Geld ist so die Inkarnation der Freiheit, des Privateigentums. Es repräsentiert die Freiheit [liberty] individualisierter Eigentümer, ihre Gleichheit und Freiheit [freedom]. Als Ausdruck der Gleichheit dient Geld als ein Moment des Austauschs, daß die menschliche Aktivität in eine Ware verwandelt: Lohnarbeit. »(...) wenn das Geld ein Äquivalent ist, wenn es bisweilen Äquivalentcharakter hat, so ist es vor allem die Äquivalenz einer gesellschaftlichen Ungleichheit.« (Negri 1984, S. 26) Der abstrakte Bürger der bürgerlichen Gesellschaft und die Unterdrückung der menschlichen Emanzipation zugunsten der politischen Emanzipation (siehe Bonefeld 1992) ist die andere Seite des Geldes als der verdinglichten Allgemeinheit menschlicher Tätigkeit, wenn Freiheit [liberty, freedom] und Gleichheit in ihrer Totalität betrachtet werden. Die »Republik des Marktes« (Pashukanis, 1979) ist die andere Seite der Aufzwingung von Arbeit durch »nicht-erzwungene«, und daher freie und gleiche, Marktbeziehungen. Geld drückt den abstrakten Durschschnitt und die formale Gleichheit der kapitalistischen Herrschaft aus, indem es die Fähigkeit des Kapitals mißt, Arbeit auf eine unterdrückerische, aber trotzdem widersprüchliche Weise zu erzwingen.

Die in sich gespaltene Einheit von formaler Gleichheit und Ausbeutung weist auf die widersprüchliche Macht des Geldes hin, das Gleicheit als eine Existenzweise von Herrschaft ausdrückt. [14] »Das Geld hat den Vorteil, daß es mir unmittelbar die dreckige Fratze des gesellschaftlichen Wertverhältnisses zeigt; es zeigt mir den Wert sofort als kommandierten und für die Ausbeutung organisierten Tausch.« (Negri 1984, S. 23) [15] Ob das Geld als Maß, als Tauschmittel oder als Kapital fungiert, es präsentiert gesellschaftliche Beziehungen der Ausbeutung in der Form von Gleichheit und Freiheit. Der Begriff des Geldes, ver-rückt von den Widersprüchen der Mehrwertproduktion und zugleich der höchste Ausdruck und die höchste Unterdrückung dieser Widersprüche, ist eine konkrete Darstellung der gesellschaftlichen Realität des Klassenantagonismus. Geld ist die elementare Form der in sich widersprüchlichen Existenz der Kategorie abstrakter Arbeit. »Die Bedingung der Warenzirkulation ist, daß sie [die Waren] als Tauschwerte produziert werden, nicht als unmittelbare Gebrauchswerte, sondern als durch den Tauschwert vermittelte.« (Marx 1857, S. 111) Im Kreislauf des Geldkapitals nimmt der Wert eine Form an, die die Arbeit als konkrete Arbeit ignoriert, indem das Geld von der Produktion der Gebrauchswerte abgetrennt und zu einem gesonderten Ding wird. »Geld hat eine Macht, die von keinem Recht, keiner positiven Norm berührt werden kann.« (Bologna 1993b, S. 67) Es kennt kein Recht auf Beschäftigung, auf Wohnung, soziale Sicherheit, Erziehung usw.. Es ist eine Macht ohne Interesse, die nur ihre eigene »Regel« kennt: akkumuliere, akkumuliere! Es negiert die gesellschaftliche Reproduktion in und durch die Darstellung des Kapitals als einem wertschöpfenden Ding: Geld präsentiert sich selbst als »die« Form des Eigentums. Der widersprüchliche Charakter des »Kapitals« liegt darin, daß es die zweckmäßige produktive Tätigkeit der Arbeit negiert, während es gleichzeitig nur durch sie existiert. »Geld« ist kollekiv und abstrakt. Es ist kollektiv aufgrund der Allgemeinheit seiner Form. Es ist abstrakt, weil es eine »Form« ohne »Inhalt« darstellt. Geld ist die »begriffsloseste« und »elementarste« Form (Marx 1884, Kap. 24) der abstrakten Kategorie der Arbeit.

»(...) ist das Kapital im Allgemeinen im Unterschied von den besondren reellen Kapitalien selbst eine reele Existenz. (...) Zum Beispiel das Kapital in dieser allgemeinen Form, obgleich einzelnen Kapitalisten gehörig, in seiner elementarischen Form als Kapital, bildet das Kapital, das sich in den banks akkumuliert oder durch sie distribuiert wird, und, wie Ricardo sagt, sich so bewundernswürdig verteilt im Verhältnis zu den Bedürfnissen der Produktion.« (Marx 1857, S. 353)

Geld drückt den abstrakten Durchschnitt und die formale Gleichheit der kapitalistischen Herrschaft aus, indem es die Fähigkeit des Kapitals mißt, Arbeit durch Unterdrückung zu erzwingen. Trotzdem bleibt die Existenz des Geldes als Kommando über Arbeit widersprüchlich, wie noch jede Schuldenkrise auf der Welt zeigt.

Geld ist die begriffslose [16] und elementare Form von Kapital, weil es sich im Geld als ein Ding darstellt, das unabhängig von der Ausbeutung die Fähigkeit zur Ausweitung des abstrakten Reichtumgs hat. Die Fähigkeit des Geldes, sich von der Ausbeutung abzulösen, hängt mit der Form des Geldes als Kredit zusammen. Der Kredit existiert als ein Hebel für die erweiterte Reproduktion, indem er die innere Beziehung zwischen Produktion und Zirkulation herstellt, ohne daß diese innere Beziehung im wirklichen Ablauf erreicht worden ist. Kreditgestützte Akkumulation kann die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion nicht beseitigen, sondern sie konstituiert eine Existenzweise, in der sich diese Widersprüchlichkeit zeitweilig bewegen kann, ohne aufgehoben zu werden. Der mit dem gleichzeitigen Bestehen und der Abfolge der verschiedenen Wertformen innerhalb des Kreislaufs des gesellschaftlichen Kapitals verbundene Widerspruch ist die potentielle Verselbständigung der Geldform gegenüber der produktiven Akkumulation. Beim Geld besteht daher die Gefahr, daß es seine Fähigkeit zum Kommando über fremde Arbeit verliert. Daher wird es begriffslos, weil es seinen Zugriff auf Arbeit verliert: es hat seine Bedeutung verloren. Zugleich betont seine Verselbständigung aber auch seine elementare Macht als Kommando über Arbeit. Die Verselbständigung des Geldes bedeutet, daß die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion ersetzt wird durch die Konstitution eines Widerspruchs zwischen produktivem und leihbarem Kapital, oder anders gesagt, eines Widerspruchs »zwischen der Fabrik und dem Kreditsystem« (Marazzi, Thekla 10). [17]

Im Kreditsystem funktioniert Geld als Kapital, »aber in der Hand nicht seines Eigentümers, sondern andrer Kapitalisten, denen es zur Verfügung gestellt ist« (Marx 1884, S. 182). In der Form des Kredits akkumuliert Kapital unabhängig von seinem Ursprungskapital. Im Zins gibt sich »der gegensätzliche Charakter des Kapitals einen selbständigen Ausdruck« (Marx 1894, S. 396), das »Kapital erscheint als mysteriöse und selbstschöpferische Quelle des Zinses, seiner eigenen Vermehrung« (Marx 1894, S. 405). Zinstragendes Kapital ist Kapital par excellence (Marx 1976, S. 447), indem es die bloße Form des Kapitals (G...G') ausdrückt und als solches ein »Dunkelding« ist. Das zinstragende Kapital drückt Kapital als die »Versubjektivierung der Sachen, die Versachlichung der Subjekte« (Marx 1976, S. 484) aus, weil der Zins »den entfremdeten Charakter der Arbeitsbedingungen im Verhältnis zur Tätigkeit des Subjekts« darstellt (Marx 1976, S. 485). Daher ist Geld die elementare und begriffslose Form des Kapitals: das Kapital »existiert hier in der unterschiedslosen, sich selbst gleichen Gestalt des selbständigen Werts, des Geldes« (Marx 1894, S. 381). Die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion findet ihre elementarste Existenzform in der Betontung der abstrakten Arbeit als Geld sans phrase: Geld wird Geld gleichgesetzt. In dieser »Kapitalmystifikation in der grellsten Form« (Marx 1894, S. 405) erscheint der Prozeß der Produktion und der Prozeß der Zirkulation unmittelbar so, als wäre er »unvermittelt durch Produktionsprozeß und Zirkulationsprozeß« (ebd.). »Geld« gilt hier als unabhängige Kategorie des Werts im allgemeinen, insofern »das Kapital seine reine Fetischform [erhält], G-G' als Subjekt, verkaufbares Ding« (Marx 1894, S. 406). Die produktive Allgemeinheit der gesellschaftlichen Arbeit ist die Bedingung des Geldes, eine Bedingung, die von der Geldform geleugnet wird. »Das Kapital ist jetzt Ding, aber als Ding Kapital.« (ebd.) Diese Ver-rückung der abstrakten Arbeit reduziert das Kapital auf ein »sinnloses Resumé« (Marx 1894, S. 404), ohne jedoch die besonderen Kapitale aufzulösen. Vielmehr zwingt es ihnen den gesellschaftlichen Charakter ihrer eigenen Existenz auf, während es »die Beziehung zur Arbeit auslöscht« (Marx 1976, S. 456). Aber das Geldkapital existiert nur in und durch die Arbeit (G...P...G'). Der Wert des Geldkapitals ist nicht durch den Wert bestimmt, den es gegenüber den Waren oder gegenüber sich selbst darstellt, sondern durch den Mehrwert, den es für seine Besitzer produziert (Marx 1976). Die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion macht sich in der scheinbaren Selbstverwertungsfähigkeit des Geldkapitals geltend. Die produktive Macht der Arbeit existiert qua dem Widerspruch in-und-gegen die Form des Geldes.

Im Zins nimmt das Kapital eine scheinbar »unabhängige Form« an als Beziehung zwischen dem Besitzer des Geldkapitals und dem Manager der Produktion. Der Profit spaltet sich in Unternehmensgewinn und Zins, »als wenn sie aus zwei wesentlich verschiednen Quellen herrührten« (Marx 1894, S. 388). In diesen zwei Formen des Profits ist die Beziehung zum Mehrwert ausgelöscht, weil sie sich wechselseitig als Gegensätze aufeinander beziehen. Die Unterscheidung zwischen Unternehmensgewinn und Zins verklärt den Profit zu einer Eigenschaft des Kapitals als solchem, als würde es auch dann Profit abwerfen, wenn das Kapital nicht produktiv angewandt worden wäre. Die Wahl zwischen produktiver und finanzieller Investition ist aber von der Arbeit als der Substanz des Werts abhängig, der Widerspruch zwischen reproduktivem und finanziellem Engagement ist bestimmt durch den Klassenkampf um das kapitalistische Kommando in der Produktion. »Die elementare Voraussetzung der bürgerlichen Gesellschaft ist, daß die Arbeit unmittelbar den Tauschwert produziert, also Geld« (Marx 1857, S. 137). Das widersprüchliche Verhältnis zwischen Produktion und Zirkulation hat sich in eine Bewegung verwandelt, in der die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion sich als G...G' behauptet - »die begriffslose Form des Kapitals, die Verkehrung und Versachlichung der Produktionsverhältnisse in der höchsten Potenz: zinstragende Gestalt, die einfache Gestalt des Kapitals, worin es seinem eignen Reproduktionsprozeß vorausgesetzt ist.« (Marx 1894, S. 405) Während »das gesellschaftliche Verhältnis (...) vollendet [ist] als Verhältnis eines Dings, des Geldes, zu sich selbst«, ist der Zins tatsächlich »nur ein Teil des Profits, d.h. des Mehrwerts, den der fungierende Kapitalist dem Arbeiter auspreßt« (ebd.). Zusammengefaßt: In der Geldform wird Geld zu einem »automatischen Fetisch« (ebd.), aber es ist die Aneignung von unbezahlter Arbeit; und es ist diese Macht, weil es »in dieser Form Kommando über fremde Arbeit (...), Anspruch auf Aneignung fremder Arbeit (...), daher sich verwertender Wert« (Marx 1894, S. 368) ist. Obwohl wir im zinstragenden Kapital nur eine »inhaltslose Form« sehen (Marx 1894, S. 405), muß Geld Arbeit kommandieren, um sich selbst als das Allgemeine der abstrakten Arbeit zu erhalten. Es kann »das langsame Tempo, den täglichen Kampf um das Abpressen des Mehrwerts« (Bologna 1993b, S. 83) nicht vergessen. Und doch ist es diese »Vergeßlichkeit«, die das Geld als elementare und begriffslose Form des Kapitals charakterisiert.

Die kreditgestützte Ausbeutung der Arbeit ist mehr als nur ein Hebel für die erweiterte Kapitalreproduktion. Der damit verbundene Widerspruch besteht darin, daß sich der Kredit als Inbegriff des Reichtums behauptet: »Der Wert wird also prozessierender Wert, prozessierendes Geld und als solches Kapital.« (Marx 1867, S. 170) Obwohl im Kredit die Beziehung zur Arbeit als Wertsubstanz scheinbar ausgelöscht ist, tritt der Kredit als »Ansprüche des Eigentums auf die Arbeit« (Marx 1894, S. 493) auf, d.h. als Anspruch auf einen Anteil am zukünftigen Mehrwert. Kredit repräsentiert abstrakte Arbeit in der Form eines Anspruchs auf die zukünftige Ausbeutung der Arbeit. Dieser Anspruch existiert in der Form der elementaren und begriffslosen Geldform. Der Kredit kommt zur gesellschaftlichen Existenz als Kommando zur wirksamen Ausbeutung der Arbeit. Die Konstitution des Kreislaufs des gesellschaftlichen Kapitals auf der Basis einer krisengeschüttelten Verselbständigung des Geldkapitals von der Ausbeutung ist mit der Geltendmachung des »Privateigentums« in seiner abstraktesten Form verbunden. Kreditgestütze Akkumulation enthält eine Wette auf die Zukunft. Die Ausbeutung der Arbeit stellt sich selbst als Hypothek auf die Zukunft dar. Denn im Geld erhält die abstrakte Kategorie der Arbeit ihre rationalste und zugleich begriffsloseste Existenzform (G...G'). Während sich Geld als die Quelle seiner eigenen Selbstverwertung behauptet, existiert G...G' nur in und durch die Möglichkeit des Kapitals, Arbeit als variable Komponente der Ausbeutung einzuspannen. G...G' existiert nur in und durch die Möglichkeit des Kapitals, Arbeit wirksam auszubeuten, d.h. Arbeit als variable Komponente des kapitalistischen Kommandos für die Ausbeutung einzuspannen.

Während einer Krise [18] quillt die Kreditausweitung zunehmend über und fließt in unproduktive und spekulative Kanäle. Dieses Überquellen erscheint als Disproportion zwischen der Güterproduktion und den Marktverhältnissen. Diese Disproportion erscheint wiederum durch zufällige Faktoren bestimmt (z.B. unausgewogene Geldpolitik), deren Ausschaltung wie eine einfache Wiederanpassungsmaßname aussieht, wie die Wiederherstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Markt. Für die monetaristische Ideologie geht es hier nur darum, eine konsistente Finanz- und Haushaltspolitik zu betreiben, die die ökonomische Aktivität einschränkt. Die Vorstellung, daß im Falle von Inflation das Geldangebot eingeschränkt werden muß, ist grundsätzlich richtig - aber nur im Sinne der monetären Zersetzung der Klassenverhältnisse durch die Unterordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse unter die abstrakte Gleichheit des Geldes. [19] Denn die verschiedenen Formen des Werts stehen in einem inneren Zusammenhang. Das Mißverhältnis zwischen Produktion und Zirkulation kann nicht unter Hinweis auf die Verselbständigung der einen Form gegen die andere erklärt werden, eine Verselbständigung, die sich durch einfache ökonomische Anpassungsmaßnahmen beheben ließe. Eine Politik der staatlichen Austerität bezieht sich nicht unmittelbar auf die Krise der Mehrwertproduktion, sondern auf die Konstitution dieser Krise durch Geldkapital, das unabhängig von der Ausbeutung der Arbeit akkumuliert, während es zugleich nur in ihr und durch sie existiert.

Der Widerspruch besteht nicht zwischen Produktion und Zirkulation, sondern zwischen Kapital und Arbeit. Die widersprüchliche Beziehung zwischen der ungezügelten Entwicklung der produktiven Macht der Arbeit und den Grenzen der kapitalistischen Form, in der sich die gesellschaftliche Reproduktion vollzieht, erzwingt die Komprimierung der notwendigen Arbeit, um die produktive Macht der Arbeit zu vervielfältigen. Der auf jedem individuellen Kapital lastende Druck, nicht nur zu produzieren, sondern im Verlauf der Akkumulation den relativen Mehrwert zu steigern, zwingt jedes Kapital, die notwendige Arbeit auf das Äußerste zu senken. Dieser Prozeß ist bezogen auf das »Verhältnis zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit, das heißt (...) das Verhältnis zwischen den Bestandteilen des Arbeitstags und dem Klassenverhältnis, das ihn konstituiert« (Negri 1984, S. 74). Das Kapital existiert nur als Gegensatz zur lebendigen Arbeit und zugleich nur in und durch die Erzwingung der notwendigen Arbeit. Das Kapital ist von der Arbeit abhängig, es kann sich nicht von der Arbeit verselbständigen. Lebendige Arbeit ist die Substanz des Werts. Die Einzelkapitale existieren nur als Momente des gesellschaftlichen Kapitals und als solche nur in und durch einander, und nicht nur in und durch einander, sondern in und durch die Ausbeutung von Arbeit. Wie stark die Verbindung zwischen Geld und Ausbeutung ist, hängt von der Erzwingung von Arbeit durch die Form dieser Erzwingung ab, das ist der Austausch.

Die kapitalistische Krise stellt sich selbst in der Form von unbeschäftigtem Kapital dar. Unbeschäftigtes Kapital hört nicht einfach auf, als Kapital zu fungieren. Im Unterschied zum verausgabten Kapital in der Produktion existiert unbeschäftigtes Kapital in der allgemeinen Form von Kapital und zugleich in seiner elementarsten Form, dem Geld:

»Die sog. Plethora des Kapitals bezieht sich immer wesentlich auf die Plethora von Kapital, für das der Fall der Profitrate nicht durch seine Masse aufgewogen wird - und dies sind immer die neu sich bildenden frischen Kapitalableger - oder auf die Plethora, welche diese, für sich selbst zur eignen Aktion unfähigen Kapitale den Leitern der großen Geschäftszweige in der Form des Kredits zur Verfügung stellen.« (Marx 1894, S. 261)

Diese Entwicklung ist ein Moment der Überakkumulation von Kapital, da Geldkapital nicht mehr in reproduktive Tätigkeit umgesetzt werden kann. Anders gesagt, weil Geldkapital nicht in ausgeweitetes Kommando über lebendige Arbeit umgesetzt werden kann. Daher »unbeschäftigtes Kapital auf der einen und unbeschäftigte Arbeiterbevölkerung auf der andren Seite« (Marx 1894, S. 261) - verschiedene Pole eines Kontinuums, das durch die Existenz der Arbeit in-und-gegen das Kapital konstituiert wird. Die Aufrechterhaltung der Überakkumulation durch Kredit konstituiert den Kreislauf des gesellschaftlichen Kapitals auf der Basis eines spekulativen Hinausschiebens von massenhafter Kapitalentwertung. Dieses Hinausschieben enthält die Möglichkeit einer Akkumulation von Schulden. Geld akkumuliert dann in der Form eines möglicherweise wertlosen Anspruchs auf Mehrwert. Die Stabilität und die pure Existenz von Geldkapital ist gefährdet, wenn eine fortschreitende Aushöhlung der Beziehung zwischen Kredit und Ausbeutung das Kapital in seiner elementaren Form des Geldes zunehmend bedeutungslos macht. Zugleich beruhen alle gesellschaftlichen Beziehungen auf der Aufrechterhaltung der formalen Gleichheit des Tauschs und damit auf der Stabilität des Kredits als einem Anspruch auf zukünftige Ausbeutung. Die Lebensrettung des »Kredits« oder, anders gesagt, der formalen Tauschgleichheit der »transzendentalen Macht des Geldes« hängen davon ab, wie wirksam das Kapital Arbeit ausbeuten kann und wie wirksam sich die Arbeit der Ausbeutung widersetzen kann (siehe Holloway 1990).

Die Ausbeutung der Arbeit mit unbeschäftigtem Kapital aufrechtzuerhalten, ist fiktiv. Denn dann wird die Ausbeutung der Arbeit durch eine Akkumulation von Ansprüchen auf einen Mehrwert erhalten, der erst noch aus den ArbeiterInnen herausgepumpt werden muß. Wenn eine allgemeine Entwertung des gesellschaftlichen Kapitals durch Hyperinflation, die Akkumulation wertloser Schulden und letzlich allgemeiner Bankrott aufgrund fehlenden Geldes verhindert werden soll, dann muß unbeschäftigtes Kapital in »beschäftigtes Kapital« umgewandelt werden. Dies kann nur durch die Umwandlung von Geld in tatsächlich produktives Kapital geschehen, was eine Neuzusammensetzung des Verhältnisses zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit voraussetzt. Um mit den Zinszahlungen Schritt halten und Kredite in Zahlungsmittel umwandeln zu können, muß das Kapital die Arbeit wirksamer ausbeuten, um den Mehrwert zu steigern, der im Geldangebot bereits repräsentiert wird, aber von den ArbeiterInnen noch nicht produziert ist. Die Stabilität des von der produktiven Akkumulation getrennten Geldes ist nur auf die Erwartung zukünftigen Mehrwerts hin möglich. Dies würde zukünftige Profite erfordern, die nicht nur den weiteren Erfordernissen der Akkumulation entsprechen müssen, sondern darüber hinaus groß genug sein müssen, um das Geldkapital zu ersetzen, mit dem die Akkumulation durch in Wirklichkeit unbeschäftigtes Kapital gesichert wurde. Je mehr Akkumulation durch den Kredit gesichert wird, desto effektiver muß das Kapital die Arbeit ausbeuten, um die Profitabilität zu steigern. Dies ist die einzigste Möglichkeit, um mit den Schulden Schritt zu halten. Das ist einfacher gesagt, als getan, denn schließlich ist das Geld unbeschäftigt, weil es an der Durchsetzung einer ausgeweiteten Ausbeutung gegenüber der Arbeit gescheitert ist. Zudem macht die Entwicklung der produktiven Macht der Arbeit die Ausbeutung der Arbeit immer teurer. Die erforderlichen Investitionen, um in der Produktion Arbeit in Bewegung zu setzen, steigern den Kostpreis der Produktion, wodurch selbst bei einer steigenden Ausbeutungsrate die Profitrate tendenziell fällt. Dafür ist der wachsende Wert des konstanten Kapitals (Produktionsmittel) im Vergleich zum variablen Kapital (Arbeitskraft) verantwortlich. [20] Überakkumulation ist daher »die falsche Bezeichnung für Überausbeutung« (Bologna 1993a, S. 51) Außerdem muß das Kapital die Macht der Arbeiterklasse überwinden, die sich durch Störungen der Produktion einer Ausbeutung jenseits gewisser Grenzen und Löhnen unterhalb einer gewissen Höhe widersetzt. Das heißt, Geld ist deswegen unbeschäftigt, weil es in der Gegenwart kein Kommando über die Arbeit ausüben kann und daher in die zukünftige Ausbeutung der Arbeit flüchtet. Es sucht nach Erlösung in der Zukunft. Ohne massive Geldentwertung, Zerstörung von Produktionskapazitäten, Fragmentierung der Arbeitskraft, Liquidierung überschüssigen Kapitals, umfassendem Bankrott, Verschlechterung der Bedingungen und Intensivierung der Arbeit bleibt diese Zukunft jedoch eine Fiktion. Aber das Kapital muß die Gegenwart in die Zukunft verlängern, um einen Zusammenbruch zu vermeiden. Die Aufrechterhaltung der Produktion mittels Schulden und ihrem Recycling intensiviert nur die spekulative Dimension des kapitalistischen Kommandos über die Arbeit und damit die fiktive Integration der Arbeit ins Kapitalverhältnis selbst: die Unfähigkeit des Kapitals, Arbeit wirksam auszubeuten, bedroht das produktive Kapital wie das Geldkapital gleichermaßen mit Zahlungsunfähigkeit und Liquidation aufgrund des Versagens des einen Pols der widersprüchlichen Einheit von produktivem und Geldkapital. Monetäre Panik und industrieller Zusammenbruch sind die zwei Seiten einer Medaille.

Im Verlauf einer Krise, die selbst durch durch den Kredit ausgelöst wird, steigt der Bedarf des industriellen Kapitals an Zahlungsmitteln. Dieser Bedarf kann nur durch Kredite gedeckt werden. Mit steigendem Bedarf werden Kredite daher teurer, während mit dem Rückgang der »ökonomischen Aktivität« und der Auswirkung der »deflationären Inflation« (vgl. Mattick 1980) das Umschlagen der Schulden in Zahlungsunfähigkeit und Bankrott von reproduktivem Kapital droht. Wenn Kredite fehlen, droht den Banken selbst die Zahlungsunfähigkeit und damit ein Kollaps des Kreislaufs des gesellschaftlichen Kapitals, der auf Spekulation und schuldenfinanzierter Reproduktion beruht. Die Verselbständigung der begriffslosen, aber elementaren Form des Werts gegenüber der Ausbeutung weist auf die Spannung zwischen den verschiedenen Formen des Werts hin. Die Lebensrettung der elementaren Form des Geldes hängt von der Ausbeutung ab, die wiederum durch »unbeschäftigtes« Geld aufrechterhalten wird. Um die elementarste und begriffslose Form des Kapitals zu erhalten, muß produktives Kapital und Arbeit geopfert werden, damit die Banken schwere Verluste kompensieren können. Die Opferung von Mehrwertproduktion auf dem Altar des Geldes zerstört aber die Basis, durch die die »begriffslose« Form des Kapitals existiert. Mit dem Mangel an produktiver Aktivität ist die Gefahr eines Zusammenbruchs der Kreditbeziehungen verbunden, auf denen alle gesellschaftlichen Verhältnisse beruhen. Die Opferung von Mehrwertproduktion auf dem Altar des Geldes zerstört die Grundlage, durch die sich die Geldmacht des Kapitals erhält. Die Einheit von monetärer und produktiver Akkumulation bestätigt sich in und durch ihre zerstörerische Spaltung. Die Vorherrschaft des Geldes ver-rückt - und das ist eine Form von Klassenkampf - die widersprüchliche Existenz des Produktionsprozesses in einen Widerspruch zwischen Kredit und fungierendem Kapital. Diese Ver-rückung der widersprüchlichen Einheit der Mehrwertproduktion ist abstrakt in Hinblick auf das gesellschaftliche Kommando, so wie ihre Form des Reichtums inhaltslos in Hinblick auf den Gebrauchswert ist; es handelt sich um nichts anderes, als die Loslösung des Verwertungsprozesses vom Arbeitsprozeß (siehe Marx 1867). Alles hängt von der engen Verbindung zwischen Geld und Ausbeutung ab. Der Kredit muß Arbeit kommandieren. Und er kann dies nur, indem er die Arbeit ins Kapitalverhältnis integriert, wobei der Verwertungsprozeß das entscheidende ist, nicht eine Akkumulation von monetären Ansprüchen auf die zukünftige Ausbeutung von Arbeit. Die produktive Akkumulation muß gelingen, um das Geldkapital zu erhalten. Versagt der Kredit dabei, sich in wirksames Kommando über Arbeit zu verwandeln, dann wird das gesamte Kapital zahlungsunfähig und geht bankrott. Die Krise zeigt, was das Geld ist.

Geld und Staat

Der gesellschaftliche Konflikt um die Durchsetzung der Wertform in den gesellschaftlichen Beziehungen ist grundlegend für die Entwicklung des Staates. Er ist kein Agent des Kapitals. Jedes Kapital existiert nur in und durch jedes andere als Momente eines einzigen Prozesses; ihre Unterschiedenheit-in-Einheit wird durch die abstrakte Kategorie der Arbeit in Aktion konstituiert. Damit die kapitalistische Reproduktion die Form von Überakkumulation und Krise annehmen kann, muß jedes Einzelkapital als ein Moment am gesellschaftlichen Prozeß des Werts beteiligt sein, im Sinne einer Negation (Entwertung) und im Sinne einer Affirmation (Durchschnittsprofitrate). Die ständige Transformation des Werts zwischen Besonderheit und Allgemeinheit (Reichelt, 1978) ist innerhalb des Kreislaufs des gesellschaftlichen Kapitals vermittel und zusammengesetzt (siehe Marx 1867, Kap. 1-4). Die historische Entwicklung des Staates läßt sich nicht aus den speziellen Interessen, denen besondere Politikformen dienen, ableiten. [21] Stattdessen muß die Form des Staates als eine Existenzform der Klassenverhältnisse gesehen werden, die den Kreislauf des Kapitals konstituieren und erfüllen. Folglich erlangt die Form des Staates ihre Existenz als die politische Existenzform der abstrakten Kategorie der Arbeit in Aktion. [22]

Die entwickeltsten Formen der Kategorie der abstrakten Arbeit in Aktion sind die globalen Ausbeutungsbeziehungen. Der Weltmarkt ist eine Bedingung und Voraussetzung für den gesamten Prozeß der kapitalistischen Reproduktion. Der Weltmarkt »ist unmittelbar im Begriff des Kapitals selbst gegeben« (Marx 1857, S. 311), da er die Bedingungen der kapitalistischen Reproduktion bildet »und seinen Träger« (Marx 1857, S. 139). Dies deshalb, da für den Weltmarkt »die Produktion als Totalität gesetzt ist und ebenso jedes ihrer Momente; worin aber zugleich alle Widersprüche zum Prozeß kommen« (Marx, 1857, S. 139). Entsprechend bildet die äußerste Expansion des auf Ausbeutung beruhenden Prozesses des abstrakten Reichtums auch die Ausweitung der Geldform. In der globalen Bewegung, »auf dem Weltmarkt funktioniert das Geld in vollem Umfang als die Ware, deren Naturalform zugleich unmittelbar gesellschaftliche Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto ist« (Marx 1867, S. 156). Die gesellschaftlichen Verhältnisse erhalten sich in und durch die Gleichheit, Unterdrückung und Dinglichkeit, die vom »Terrorismus des Geldes« repräsentiert werden (vgl. Marazzi). Globale Ausbeutungsverhältnisse sind die Voraussetzung für die Erzwingung von Arbeit innerhalb nationaler Grenzen. »Obwohl der Staat politisch auf einer nationalen Basis gebildet wird, ist sein Klassencharakter nicht im nationalen Rahmen definiert. Die kapitalistischen Eigentums- und Vertragsrechte gehen über die nationalen Rechtssysteme hinaus und das Weltgeld über die nationalen Währungen.« (Clarke 1992, S. 136) Die Nationalstaaten stehen untereinander nicht nur in einem Wettbewerb, bei dem jeder versucht, den Fluß des Geldkapitals in sein eigenes Territorium umzulenken. Sie sind zugleich einzelne Knoten innerhalb der globalen Kapitalströme. Der Nationalstaat existiert durch die globalen Ausbeutungsverhältnisse und ist gebunden »an Schranken, die ihm durch die widersprüchliche Form der Kapitalakkumulation im Weltmaßstab auferlegt werden« (Clarke 1992, S. 136). [23]

In einer Krise erscheint die überdehnte Ausweitung des Kredits in der Form eines wachsenden Abflusses aus den Reserven der Zentralbanken. Die Rücklagen der Zentralbanken haben eine zentrale Bedeutung für das Funktionieren des Kreditsystems und damit für die Aufrechterhaltung der Ausbeutung von Arbeit. Die Reserven garantieren die Existenz des Kredits in Hinblick auf die Eintauschbarkeit von Wechseln in »wirkliches« Geld. Die Grenze der weiteren Akkumulation zeigt sich in dem begrenzten Angebot von staatlichen Reserven, mit denen die Austauschrate angesichts eines Abflusses von den Reserven gestützt werden kann. Diese Begrenztheit hängt scheinbar mit der inflationären Geldaufblähung zusammen und nicht mit der Krise der Fesselung der produktiven Macht der Arbeit innerhalb der kapitalistischen Form der Reproduktion. Für den Staat stellt sich der Abfluß von Reserven als Zahlungsbilanzdefizite dar, die durch einen Anspruch der Kreditgeber auf Steuereinnahmen bestimmt werden, und als Gefährdung der Eintauschbarkeit der Währung in Waren auf dem Weltmarkt, die durch spekulativen Druck auf den Wechselkurs hervorgerufen wird. [24] Die Integration einer nationalen Währung auf dem Weltmarkt hängt von der Fähigkeit der Zentralbank ab, einem Abfluß von Reserven zu begegnen und Wechsel in Zahlungsmittel einzutauschen. Diese Fähigkeit beruht auf den Einnahmen des Staates. Es sind die Einnahmen des Staates, die die Reserven stützen, indem sie den Kredit als einen Anspruch auf Steuer garantieren. Die Eintauschbarkeit einer nationalen Währung in Waren auf dem Weltmarkt ist von der Akzeptanz dieser Währung als legales Zahlungsmittel abhängig. Diese Akzeptanz hängt wiederum davon ab, ob der Kredit als Anspruch auf Steuereinnahmen auf den Finanzmärkten akzeptiert wird, die mit dem ultimativen Sanktionsmittel des spekulativen Drucks gegen Währungen im Falle »inländischen Mismanagements« ausgestattet sind. Die Konvertibilität des Kredits hängt von der Fähigkeit des Staates ab, die Expansion des Kredits einzuschränken, wenn die Banken die Überakkumulation von Kapital durch Investitionen in zinstragende Unternehmungen vorantreiben. [25] »Die »Interessen« des Kapitals im allgemeinen werden in letzter Instanz durch die Geldpolitik des Staates, vermittelt über das Bankensystem, den besonderen Kapitalen aufgezwungen, wenn die Ausweitung der Produktion durch die Grenzen ihrer kapitalistischen Form eingeschränkt wird.« (Clarke 1988b, S. 9-10). Restriktive Geldpolitik ist nicht in erster Linie eine Frage der Sicherung des Kapitals in seiner elementaren Form des Geldes, sondern er Sicherung des Kapitals als einer gesellschaftlichen Form der Reproduktion. Ein Versagen der internationalen Kreditbeziehungen gefährdet nicht nur den abstrakten Prozeß des Reichtums in seiner begriffslosen Form des Geldkapitals, sondern auch die elementare Form des Kapitals, auf der alle gesellschaftlichen Verhältnisse beruhen. Geld ist die elementare Form der abstrakten Arbeit.

Der spekulative Charakter der kreditgestützten Akkumulation tritt in den Vordergrund, wenn die Pseudoverwertung der Mehrwertproduktion durch Kreditausweitung sich als Akkumulation (möglicherweise) wertlosen Papiers darstellt. Wenn die Nachfrage nach Zahlungsmitteln steigt, wird es für die Zentralbank zunehmend schwieriger, als Verleiher in letzter Instanz zu agieren. Um die formale Tauschgleichheit auf dem Weltmarkt zu erhalten, muß die politische Kontrolle des Geldangebots die Kredite zurückstutzen und so die finanzielle Stabilität sichern. Das bedeutet nichts anderes als eine Politik der staatlichen Austerität. Aber die Durchsetzung des knappen Geldes ist eine äußerst widersprüchliche Angelegenheit. Um das Geldkapital zu stützen, muß die produktive Akkumulation weitergehen. Wenn es nicht mehr gelingt, Kredite in wirksame Ausbeutung von Arbeit umzusetzen, dann stellt sich die Krise der wirksamen Ausbeutung als Zahlungsunfähigkeit und Bankrott dar, was das Versagen des Kredits als Anspruch auf zukünftigen Mehrwert bedeutet.

Um diese Funktionsweise des »Geldes« zu verstehen, müssen wir von der »Geldform der Krise (...) zur Analyse der Krise der gesellschaftlichen Verhältnisse herabsteig[en], von der Krise der Zirkulation zur Krise des Verhältnisses zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit« (Negri 1984, S. 25). Die Substanz des Geldes ist Arbeit, die Akzeptierung des Geldes als gesetzliches Zahlungsmittel wird von der wirksamen Ausbeutung der Arbeit garantiert. Das »illusorische Gemeinwesen« der formalen Gleichheit des Geldes erhält sich nur durch sein Kommando »fremder Arbeit«. Die Bewegung des Widerspruchs zwischen produktivem Kapital und Kreditsystem wird vom Klassenkampf um die Durchsetzung der Verwertung im Arbeitsprozeß bestimmt. Dieser Kampf wird durch monetäre Druckmittel konstituiert, die vom Staat vermittelt werden. In diesem krisengeschüttelten Prozeß gewinnt der Staat Allgemeinheit als in sich widersprüchliches Moment der gesellschaftlichen Macht des Geldes. Die Loslösung des Geldes von der Ausbeutung prägt den Staat durch die Geldmacht des Kapitals (G...G'), eine Macht in der die Bedingung seiner Existenz, das heißt die sich erweiternde Reproduktion der kapitalistischen Ausbeutung von Arbeit (G...P...G') scheinbar ausgelöscht ist. Die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion wirkt auf den Staat als der Widerspruch zwischen funktionierendem und Geldkapital. Aufgrund der widersprüchlichen Einheit der Mehrwertproduktion reproduziert der Staat diese Widersprüche des Kapitals in einer politischen Form, statt sie zu lösen.

Eine keynesianische Politik des billigen Kredits und auch das dadurch angeregte Wachsen der Märkte lösen das Problem der Überakkumulation nicht (Mattick 1980). Stattdessen fördert sie die Überakkumulation noch, indem sie die Arbeiterklasse durch Vollbeschäftigungsgarantien einbindet und die Profite durch die Schöpfung von Nachfrage sichert. Das durch Kredite und Staatsdarlehen steigende Geldangebot garantiert die Realisierung von Preiserhöhungen und ermöglicht damit Akkumulation und die Aufrechterhaltung von Vollbeschäftigung in einer ständig wachsenden inflationären Spirale. Während ein Entwertungsdruck durch Kreditausweitung aufgefangen und Arbeitslosigkeit hinausgezögert werden kann, beschleunigt sich die Tendenz zur Überakkumulation, was sich ausdrückt in Preissteigerungen, Haushaltsproblemen, spekulativem Druck auf die Währung und wachsender Entwertung von Geldkapital durch Inflation, Erschütterung des Vertrauens in das inländische Geldwesen, Gefährdung der formalen Tauschgleichheit nationaler Währungen auf dem Geldmarkt und schließlich einem möglichen Zusammenbruch der globalen Kreditbeziehungen. Die kreditgestützte Überakkumulation balanciert am Rande des Zusammenbruchs, der um so heftiger ausfallen wird, je stärker die Akkumulation auf dem Kredit basierte. Kreditausweitung und wachsende inländische und internationale Staatsausgaben verstärken schließlich nur die Tendenzen, die von dieser Politik zunächst reguliert werden sollten (Mattick 1980).

Eine monetaristische Politik versucht, die Überakkumulation durch eine einschränkende Geldpolitik zurechtzustutzen, wodurch sowohl Kapitalentwertung und -liquidierung sowie Arbeitslosigkeit verstärkt werden. Eine Politik des knappen Geldes und hoher Zinsen macht es für das reproduktive Kapital teuer, sich zusätzliche Zahlungsmittel zu beschaffen, die für die Aufrechterhaltung der produktiven Aktivitäten und der Beschäftigung erforderlich sind. Zugleich beschleunigen die hohen Zinsen die Zahlungsunfähigkeit und Liquidierung von Kapital. Obwohl die hohen Zinsraten es den Banken ermöglichen, große Ausfälle ohne Verlust zu überstehen, ist die Politik des knappen Geldes mit der Gefahr verbunden, den gesamten Prozeß zu untergraben, auf dem die Akkumulation beruht. Die produktive Aktivität kann nicht geopfert werden, weil das Geld nur in und durch die Arbeit als der Substanz des Werts existiert. Der Versuch, die kapitalistische Form der gesellschaftlichen Reproduktion mit einer Politik der hohen Zinsraten durchzusetzen, verstärkt das Absacken der produktiven Tätigkeit, weil Kredite für Fremdfinanzierung knapp und teuer und die Schuldendienste belastender werden. Das Kreditsystem balanciert am Rande des Zusammenbruchs, weil der Anspruch auf zukünftigen Mehrwert ins Leere geht, was sich an der Unfähigkeit des Geldes zeigt, sich in Kommando über Arbeit zum Zwecke der Ausbeutung einzutauschen.

Beide Politikformen, Monetarismus und Keynesianismus, sind politische Phänomene der widersprüchlichen Einheit von abstrakter Arbeit und Wertform, d.h. sie sind unterschiedene Momente eines dialektischen Kontinuums der Einheit-in-der-Unterscheidung von Produktion und Zirkulation. Der Keynesianismus will die Einheit aufrechterhalten, indem er mit Schulden und inflationärem Druck auf die Profite eine Nachfrage zur Sicherung der Überakkumulation schafft, wobei er die elementare Form des Geldkapitals diskriminiert. Der Monetarismus will die Uneinigkeit korrigieren, indem er die reproduktive Akkumulation und die Arbeit auf dem Altar des Geldes opfert. Solch eine Beschränkung der Ziele des reproduktiven Kapitals bedroht die erweiterte Produktion von Mehrwert und das Kreditsystem als solches. Auch wenn keynesianische und monetaristische Politikformen das Auseinanderfallen von Produktion und Zirkulation bis zu einem gewissen Grad abmildern können, so bietet keine von ihnen eine Lösung für die Widersprüche der Kapitalreproduktion. Sie versuchen, die zerstörerischen Spannungen zwischen den verschiedenen Momenten des gesellschaftlichen Kapitals (d.i. produktives und Geldkapital) von zwei entgegengesetzen Seiten aus zu korrigieren, und laufen dabei Gefahr, die Spannungen noch zu verstärken, indem sie ein Moment auf Kosten des anderen opfern.

Politisch besteht der Unterschied zwischen Monetarismus und Keynesianismus in der Art, in der die produktive Macht der Arbeit der Wertproduktion untergeordnet wird. Die Eindämmung der gesellschaftlichen Verhältnisse auf der Basis einer strengen Geldkontrolle führt zur Garantierung des Kredits durch die Verschlechterung des Lebensstandards und damit durch die Auferlegung von Schulden in den gesellschaftlichen Verhältnissen. Zum Beispiel wurde in den 80er Jahren der monetaristische Versuch, das Geld durch eine Kontrolle des Geldangebots wieder an die Arbeit zu koppeln, schon kurz nach seinem Beginn wieder fallen gelassen. Ein kurzfristiger politischer Erfolg des Monetarismus bestand jedoch darin, daß die Klassenverhältnisse durch die individualisierende und fragmentierende Form der Schulden zersetzt wurden. [26] Der Staat gewann Allgemeinheit als die politische Form von Geld-als-Kommando: die Organisation der Arbeitskraft auf der Basis der Planung und Kontrolle des gesellschaftlichen Konflikts und der Antizipation des politischen Verhaltens der Arbeiterklasse. Die »Auferlegung« von Schulden oder anders gesagt, das monetaristische Ziel, die Gesellschaft die Wette des Kapitals auf die Zukunft bezahlen zu lassen, ging Hand in Hand mit einem Staat, der zum Einsatz von Provokation und der Anwendung von Gewalt bereit war. Die Durchsetzung der Gleichheit in der Form von Schulden führt dazu, daß die Arbeit durch den Staat der Macht des Geldes unterworfen wird. Die politische Erzwingung der gleichgültigen Regeln des Geldes ist mit der Erzwingung der formalen Gleichheit und formalen Freiheit verbunden, eine Erzwingung, die Bürger und Schulden als gleich behandelt. Die »Republik des Marktes« wird in die »Republik der Schulden« transformiert. Die Auferlegung von Schulden hält das System zusammen. Damit war die Anerkennung der Arbeiterklasse verbunden, soweit Haus- und Grundbesitz betroffen war.

Die Aufzwingung des Geldes ist mit der Aufzwingung der Marktgleichheit auf der Basis von Gesetz und Geld verbunden. Zum Beispiel formulierte die monetaristische Ideologie der neuen Rechten die Krise der Mehrwertproduktion als das Verhältnis zwischen Geld und Staat. Sie wies die Konzeption des keynesianischen Staats zurück, der dafür kritisiert wurde, daß er zu Abhängigkeit und einem Verlust an Verantworlichkeit und Selbstrespekt führen würde. Der monetaristische Versuch, finanzielle Stabilität durch die Aufzwingung des gewaltfreien Tauschs auf dem Markt wiederzuerlangen, zielte also darauf, die Abhängigkeit der Leute vom Staat zu verringern, zugunsten ihrer Unterordnung unter die ungezügelten Regeln der Tauschverhältnisse, des Geldes. Diese Unterordnung führt zur Erzwingung der abstrakten Gleichheit des Geldes in den gesellschaftlichen Verhältnissen. Gemäß der monetaristischen Ideologie ist die Erzwingung von »Selbstverantwortlichkeit« dasselbe wie ungehinderte Marktfreiheit. Diese Freiheit schränkt diejenigen ein, die den Botschaften des Marktes keine Aufmerksamkeit schenken: die Orientierung an irgendwelchen Werten außer denen des materiellen Gewinns wird erbarmungslos bestraft. Wie schon gesagt, im Kapitalismus reduziert das Geld alle »Subjekte zu Tauschsubjekten« (Bologna 1993b, S. 67). Jedes Individuum ist vor dem Geld gleich. Für diejenigen, die Geld besitzen, ist es ein Mittel der Freiheit und des Wohlstands. Für diejenigen, die keines haben, definiert ihr Mangel an Geld nicht nur ihre Armut, sondern auch ihr Dasein als eine arbeitende Ware. »Die Macht, die jedes Individuum über die Tätigkeit der andren oder über die gesellschaftlichen Reichtümer ausübt, besteht in ihm als dem Eigner von Tauschwerten, von Geld. Es trägt seine gesellschaftliche Macht, wie seinen Zusammenhang mit der Gesellschaft, in der Tasche mit sich.« (Marx 1857, S. 74f.) Die monetaristische Formulierung der Grenzen des Marktes beinhaltete nicht nur die monetäre Zersetzung der Klassenverhältnisse auf der Basis des individuellen Marktagenten. Sie beinhaltete auch den Versuch, Arbeit durch den Einsatz von Gewalt zu erzwingen: paß Dich den Marktkräften an - sonst! Die gewaltsame Durchsetzung der Macht manifestiert das Recht des Eigentums, sich vor dem Ausfall von Schulden zu schützen. Die »präventive Konterrevolution« (vgl. Agnoli, 1975) des Monetarismus führt zum Einsatz von Gewalt, um Schulden als einen Anspruch auf zukünftige Ausbeutung in der Gegenwart zu sichern.

Indem der Staat den gesellschaftlichen Verhältnissen die elementare Form des Kapitals, d.h. Geld, auferlegt, beteiligt er sich mit dem Einsatz von Zwang an der Lebensrettung der Geldgarantie. Durch den Versuch, die Umwandlung der Ansprüche des Geldes in zukünftige Ausbeutung von Arbeit abzusichern, koppelt der Staat die Gegenwart an die Zukunft. In diesem Prozeß wird die in sich widersprüchliche Form des Staates zur Allgemeinheit als dem »letzten Refugium der Harmonien« (Marx 1857) - den Harmonien der formalen Gleichheit und formalen Freiheit, auf denen die Ausbeutung beruht. Der Staat als letztes Refugium der Harmonien repräsentiert so das »gemeinschaftliche Interesse« (vgl. Marx und Engels, Deutsche Ideologie). Er erzwingt die formale Tauschgleichheit, indem er die gesellschaftlichen Beziehungen der begriffslosen Form des Geldes opfert. Die Auferlegung des Geldes beinhaltet die politische Lebensrettung der ökonomischen Freiheit als dem abstrakten Durchschnitt der Gleichheit, deren Inbegriff das Geld ist. Der Staat existiert als der kollektive Repräsentant des kommandierenden Geldes: das heißt, als die Unterordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse unter die monetäre Knappheit, verbunden mit der Kontrolle von Recht und Ordnung als seiner Voraussetzung, Bedingung und Resultat. Die Durchsetzung der Wertform erfordert nicht nur die Unterordnung der gesellschaftlichen Verhältnisse unter die monetäre Knappheit, sondern grundlegender die monetäre Zersetzung der Klassenverhältnisse auf der Basis des Lohnverhältnisses. Das Kapital muß die Arbeit als Bedingung seiner eigenen Existenz eindämmen. Die antagonistische Tendenz der abstrakten Arbeit ist, wie schon gesagt, mit dem Widerspruch verbunden, daß die Arbeit unmittelbar Tauschwert, Geld, produzieren muß, während die abstrakte Arbeit in der Form von Geld ihrer kapitalistischen Form widerspricht. Die Kehrseite der produktiven Macht der Arbeit ist die möglicherweise uneinlösbare Akkumulation von unbeschäftigtem Kapital, von Schulden. Marx charakterisierte diese Situation als die »Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst« (Marx 1894, S. 454). Innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft kann dieser Widerspruch nur durch Gewalt eingedämmt werden, was nicht nur die Zerstörung von Produktionskapazitäten, Arbeitslosigkeit, verschlechterte Bedingungen und weitverbreitete Armut bedeutet, sondern auch die Zerstörung menschlichen Lebens durch Krieg und Hunger. [27] »Gewalt« ist so begriffslos und elementar wie Geld. Der Antagonismus der ArbeiterInnen zum Kapital ist die Kehrseite der »transzendentalen Macht« des Geldes. »Geld geht nun schwanger« (Marx 1894) mit einer Zukunft, in der es in das Museum der Geschichte verbannt werden könnte. Geld ist der Kreislauf des Glücks, der sich als totaler Horror entfaltet. »(...) man muß diese versteinerten Verhältnisse dadurch zum Tanzen zwingen, daß man ihnen ihre eigene Melodie vorsingt!« (Marx).

Zusammenfassung

In diesem Kapitel wurde gezeigt, daß die Kategorie des Geldes eine in sich widersprüchliche Form der konstitutiven Macht der Arbeit ist. Weder ist es ein regulierender Mechanismus für die kapitalistische Produktion, noch existiert es nur als eine Inkarnation des abstrakten Reichtums. Und doch ist es beides. Die Frage ist jedoch nicht, wie das Geld funktioniert, sondern wie seine widersprüchliche Existenz als gesellschaftliche Macht zu erklären ist. Clarke (1988a S. 13-14) hat darauf hingewiesen, daß Geld »die abstrakteste Form des kapitalistischen Eigentums« und damit »die oberste gesellschaftliche Macht, durch die die gesellschaftliche Reproduktion der kapitalistischen Reproduktion unterworfen wird«, ist. Als diese höchste gesellschaftliche Macht, bestätigt das Geld in einer begriffslosen und elementaren Form die Abhängigkeit des Kapitals von der Arbeit. Im Geld erscheint die gesellschaftliche Nützlichkeit der Produktion als ein bloßes Ding (Zins), da die Beziehung des Geldes zur Arbeit ausgelöscht zu sein scheint. Was jedoch der krisengeschüttelten Loslösung des Geldes von der Ausbeutung zugrundeliegt, ist die mißlungene Eindämmung der produktiven Macht der Arbeit im Konzept der Profitabilität. Die Stabilität des Kredits hängt zugleich von der Fähigkeit des Kapitals ab, Arbeit wirksam auszubeuten. Es muß die Arbeit wirksam ausbeuten, weil das Kapital nicht nur genügend Mehrwert für die Akkumulation braucht, sondern auch zur Befriedigung der Kreditgeber.

Die potentielle Verselbständigung des Geldkapitals wird in und durch die produktive und Störungen verursachende Macht der Arbeit konstituiert. Geld ist die Form, in der das Kapital vor dem Widerstand der Arbeiterklasse in der Fabrik flieht. Bologna (1993a, S. 52) hat in seinem Kommentar zu den Marxschen Schriften zwischen 1856 und 1857 darauf hingewiesen, daß »die historische Bedeutung der monetären Spekulation genau in der Tatsache zu suchen ist, daß es die direkte Beziehung mit der Arbeiterklasse vermeidet«. Der Versuch des Kapitals, das »Wertgesetz« zu überwinden, indem es Geld aus Geld macht, statt die Arbeit auszubeuten, weist jedoch zugleich darauf hin, daß das Kapital in einem verzweifelten Versuch, die Gegenwart in die Zukunft zu verlängern, über seine Verhältnisse lebt. Für das Kapital ist die Krise der Beweis für »seinen Verlust der Kontrolle über die Arbeiterklasse« (Bell und Cleaver 1982, S. 258). Dieser Verlust bestätigt die begriffslose Form des Geldes als eine agressive Gewalt, die die Entfremdung von der Gegenwart in die Zukunft verlängern will.

Angesichts der gegenwärtigen Krise zeigt die andauernde Ausweitung des Kredits, daß es dem Kapital nicht gelungen ist, eine seinen Bedürfnissen entsprechende Umstrukturierung der Ausbeutungsverhältnisse durchzusetzen. Seit den späten 60er Jahren hat sich das Kapital bemüht, eine kontrollierte Deflation einzuführen, was zu einer andauernden und noch nie dagewesene Ausweitung des Kredits im Weltmaßstab führte. Schuldenkrise ist die falsche Bezeichnung für die Krise des Geldes. Das Kapital kann sich nicht erlösen, indem es Geld aus Schulden macht. Es muß der Arbeiterklasse gegenübertreten. Es kann dem Klassenkampf nicht entfliehen, indem es der direkten Konfrontation mit der Arbeit in der Produktion aus dem Weg geht. Es kann sein Kommando über die Arbeit nur retten, indem es mit gnadenloser Gewalt das Verhältnis zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit im Weltmaßstab neu durchsetzt. Aktuelle Vorschläge von reformierten Sozialisten, die »Regierung solle das Geld zu ihrem Diener machen, nicht zu ihrem Herrn« (Mitchell 1989, S. 61), sind nicht einfach eine Illusion. Die Auffassung, Geld sei »ein Medium, daß dazu gebracht werden muß, für Wachstum und Beschäftigung zu funktionieren, statt für die egoistischen Zwecke der Händler der Gier« (Mitchell 1989, S. 61), ist in Wirklichkeit der Vorschlag, daß das Geld die Ausbeutung der Arbeit managen und organisieren soll. Dieses Kapitel hat gezeigt, was das bedeutet.

 

Literatur

Aglietta, M. (1979) A Theory of Capitalist Regulation: The US Experience (London: Verso).

Agnoli, J. (1975) Überlegungen zum bürgerlichen Staat (Berlin: Wagenbach).

Aly, G. and Heim, S. (1991) »The Economics of the Final Solution«, Comnlon Sense, 11, first published in English in Simon Wiesenthal Centre Annual, 5, Krau International (1988).

Anderson, P. (1987) »The Figure of Dissent«, New Left Review, 161.

Backhaus, H.-G. (1974) »Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie«, Gesellschaft, 1 (Frankfurt: Suhrkamp).

Backhaus, H.-G. (1986) »Zum Problem des Geldes als Konstituens oder Apriori der ökonomischen Gegenständlichkeit«, Prokla, 63.

Backhaus, H.-G. (1992) »Between Philosophy and Science: Marxian Social Economy as Critical Theory«, in W. Bonefeld, R. Gunn and K. Psychopedis (eds) Open Marxism Vol. 1. History and Dialectics.

Barratt Brown, M. (1993) »The War in Yugoslavia and the Debt Burden«, Capital & Class, 50.

Bell, P. and Cleaver, H. (1982) Marx's Crisis Theory as a Theory of Class Struggle«, Research in Political Economy, 5.

Bologna, S. (1993a) »Money and Crisis: Marx as Correspondent of the New York Daily Tribune, 1856-57«, Part 1, Common Sense, 13, trans. Ed Emery and John Mcrrington.

Bologna, S. (1993b) »Money and Crisis: Marx as Correspondent of the New York Daily Tribune, 1856-57«, Part Il, Common Sense, 14, transl. Ed Emery

Bonefeld, W. (1988) »Class Struggle and the Permanence of Primitive Accumulation«, Common Sense, 6.

Bonefeld, W. (1992) »Social Constitution and the Form of the Capitalist State« in W. Bonefeld, R. Gunn and K. Psychopedis (eds) Open Marxism Vol. 1. History and Dialectics.

Bonefeld, W. (1993a) »Crisis of Theory«, Capital & Class, 50.

Bonefeld, W. (1993b) The Recomposition of the British State During the 1980s (Aldershot: Dartmouth).

Bonefeld, W. (1994) »Capital As Subject and the Existence of Labour«, forthcoming in Bonefeld et al. (eds) Open Marxism Vol III: Emancipating Marx.

Bonefeld, W. and Holloway, J. (eds) (1991) Post-Fordism and Social Form (London: Macmillan).

Bonefeld, W., Gunn, R. and Psychopedis, K. (eds) (1992a) Open Marxism Vol. I: History and Dialectics;

(1992b) Open Marxism Vol. II: Theory and Practice (London: Pluto Press).

Bonefeld, W., Gunn, R., Holloway, J. and Psychopedis, K. (eds) (1994) Open Marxism Vol. III: Emancipating Marx (London: Pluto Press).

Burnham, P. (1990) The Political Economy of Postwar Reconstruction (London: Macmillan).

Burnham, P. (1993) »Marxism, Neo-Realism and International Relations«, Common Sense, 14.

Clarke, S. (1978) »Capital, Fractions of Capital and the State«, Capital & Class, 5.

Clarke, S. (1980) »The Value of Value: Rereading Capital«, Capital & Class, 10.

Clarke, S. (1982) Marx, Marginalism and Modern Sociology (London; Macmillan).

Clarke, S. (1988a) Keynesianism, Monetarism, and the Crisis of the Sate (Aldershot: Edward Elgar).

Clarke, S. (1998b) »Configuration of Dissent: Fractions of Capital Class Struggle and the Decline of Britain«, unpublished paper, University of Warwick.

Clarke, S. (1989) »Review Article on M.Itoh's »Basic Understanding of Capitalism"«, Capital & Class, 37.

Clarke, S. (1992) »The Global Accumulation of Capital and the Periodisation of the Capitalist State Form«, in W. Bonefeld, R. Gunn and K. Psychopedis (eds) Open Marxism Vol I: History and Dialectics.

Clarke, S. (1994) Marx's Theory of Crisis (London: Macmillan).

Cleaver, H. (1977) »Food, Famine and the International Crisis«, Zerowork, 2.

Coakley, J. and Harris, L. (1983), City of Capital (Oxford: Basil Blackwell).

De Brunhoff, S. (1976) Marx on Money (London: Pluto Press).

Elson, D. (1979) »The Value Theory of Labour«, in D. Elson (ed.) (1979) Value: The Representation of Labour in Capitalism (London: CSE Books).

Fine, B and Harris, L. (1985) The Peculiarities of British Capitalism (London: Lawrence & Wishart).

Glyn, A. and Sutcliff, B. (1974) Die Profitklemme (Berlin: Rotbuch Verlag)

Gunn, R. (1987) »Marxism and Mediation«, Common Sense, 2.

Gunn, R. (1992) »Against Historical Materialism«, in W. Bonefeld, R. Gunn and K. Psychopedis (eds) Open Marxism Vol. I: History and Dialectics.

Hall, M. (1992) »On the Creation of Money and the Accumulation of Bank-Capital«, Capital & Class, 48.

Holloway, J. (1990) »The Politics of Debt«, Common Sense, 9.

Holloway, J. (1991) »In the Beginning was the Scream«, Common Sense, 11.

Holloway, J. (1992) »Crisis, Fetishism, Class Composition«, in W. Bonefeld, R. Gunn and K. Psychopedis (eds) Open Marxism Vol. 1: History and Dialectics.

Ingham, G. (1984) Capitalism Divided (London: Macmillan).

Kay, G. (1979) »Why Labour is the Starting Point of Capital«, in D. Elson (ed.) Value: The Representation of Labour in Capitalism (London: CSF Books).

Jessop, B. (1985) Nicos Poulantzas: Marxist Theory and Strategy (London: Macmillan).

Jessop, B. (1991) »Polar Bears and Class Struggle: Much Less than a Self-Criticism«, in W. Bonefeld and J. Holloway (eds) Post-Fordism and Social Form (London: Macmillan).

Marx, K. [1845-6] »Die deutsche Ideologie«, in: Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 3.

Marx, K. [1857] Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 42.

Marx, K. [1859] Zur Kritik der politischen Ökonomie, in: Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 13.

Marx, K. [1867] Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Bd. I, Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 23.

Marx, K. [1884] Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Bd. II, Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 24.

Marx, K. [1894] Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie, Bd. III, Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 25.

Marx, K. (1976) Theorien über den Mehrwert, Marx-Engels-Werke (MEW), Bd. 26.3.

Marx, K. (1983) Capital, Vol. I (London: Lawrence & Wishart).

Mattick, P. (1980) Economics, Politics, and the Age of Inflation (London: Merlin Press).

McLellan, D. (1977) Selected Writings of Marx and Engels (Oxford: Oxford University Press).

Mitchell, A. (1989) Competitive Socialism (London: Unwin).

Negri, A. (1984) Marx Beyond Marx (Cambridge, Mass.: Bergin & Garving).

Pashukanis, E. (1979) Law and Marxism (London: Pluto Press). Dtsch: Pashukanis, E. (1966) Allgemeine Rechtslehre und Marxismus (Frankfurt: Verlag Neue Kritik).

Postone, M. (1986) »Anti-Semitism and National Socialism«, in A. Rabinbach and J. Zipes (eds), Germans and Jews Since the Holocaust (New York: Homer & Meier). Dtsch: Postone, M. (1982) Die Logik des Antisemitismus, Merkur.

Poulantzas N. (1973) Political Power and Social Classes (London: NLB).

Psychopedis, K. (1984) Geschichte und Methode (Frankfurt and New York: Campus).

Psychopedis, K. (1991) »Crisis of Theory in the Contemporary Social Sciences«, in W. Bonefeld and J. Holloway (eds) Post-Fordism and Social Form (London; Macmillan).

Psychopedis, K. (1992) »Reconstruction of Dialectical Theory«, in W. Bonefeld, R. Gunn and K. Psychopedis (eds) Open Marxism Vol. 1: History and Dialectics.

Reichelt, H. (1978) »Some Remarks on Flatow and Huisken"s Essay »On the Problem of the Derivation of the Bourgeois State"«, in J. Holloway and S. Picciotto (eds), State and Capital: A Marxist Debate (London: Edward Arnold).

Reichelt, H. (1993) »Some Notes on Jacques Bidet"s Structuralist Interpretation of Marx"s Capital«, Common Sense, 13.

Reuten, G. (1988) »The Money Expression of Value and the Credit System: a value form theoretic outline«, Capital & Class, 35.

Rosdolsky, R. (1973) Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen »Kapital«, (Frankfurt/M.: EVA).

Schmidt, A. (1974) »Praxis«, in Gesellschaft: Beiträge zur Marxschen Theorie 2 (Frankfurt: Suhrkamp).

Van der Pijl, K. (1984) The Making of the Altantic Ruling Class (London: Verso).


Fußnoten:

[1] Viele Menschen haben hilfreiche Hinweise zu diesem Kapitel geliefert; besonderen bedanken möchte ich mich bei Peter Burnham, John Holloway und Richard Gunn.

[2] Siehe Marx' (1867) Kritik des Warenfetischismus.

[3] Zur Kritik eines solchen Verständnisses siehe Holloway (1992); Bonefeld (1994).

[4] Zur Dialektik von menschlichen Voraussetzungen (allgemeine Abstraktionen) und gesellschaftlicher Form (Realabstraktion) siehe Psychopedis (1992), Gunn (1992) und Holloway (1991).

[5] In der deutschen Ausgabe des Kapital spricht Marx von 'verrückten Formen■. Im Deutschen hat 'verrückt■ zwei Bedeutungen: verrückt (mad) und ver-rückt (displaced). Die Bezeichnung 'verkehrte Form■ bedeutet daher beides, verrückt und ver-rückt. Anders ausgedrückt: diese Formen sind die Existenzformen von Arbeit, in denen »sich Subjekt und Objekt nicht statisch gegenüberstehen, sondern gefangen sind in einem 'ständigen Prozeß■ der 'Verkehrung von Subjektivität in Objektivität und umgekehrt■« (Backhaus 1992, S. 60, mit Bezug auf Kofler). [Anm.d.Ü.: In einigen Fußnoten dieses Textes diskutiert Bonefeld Probleme der inhaltlich präzisen Übersetzung bestimmter deutscher Ausdrücke von Marx ins Englische. Obwohl sie für das Verständnis seines Textes in deutscher Übersetzung keine Bedeutung haben, werden sie hier mitübersetzt, weil sie für die Entwicklung der Diskussion über bornierte Sprachgrenzen hinaus nicht unwichtig sind.]

[6] In gleicher Weise argumentiert Psychopedis (1992). Seine Rekonstruktion der dialektischen Theorie zeigt die widersprüchliche Integration gesellschaftlicher Bedingungen mit der fetischisierenden und zerstörerischen Verkehrung menschlicher Beziehungen in die Beziehungen von 'Dingen■ im Kapitalismus. Siehe auch Backhaus (1992), Holloway (1992) und Bonefeld (1994), so wie Schmidt (1974), der betont, daß Marx' Kritik der politischen Ökonomie durch den Vorrang der 'Praxis■ charakterisiert ist.

[7] Ver-rückt bedeutet hier und im folgenden die Konstitution der Existenz der Arbeit in und durch verkehrte Formen. Diese Formen sind sowohl verrückt wie ver-rückt, wie ich es bereits dargestellt habe. Es sind Formen, die sich ständig in Bewegung befinden, und die nicht als statisch existierende Formen vorausgesetzt werden können. Im Kapital hat Marx dies mit dem Begriff der prozessualen Existenzform betont. 'Ver-rückt■ weist also auf die Konstitution und damit auf die in sich widersprüchliche Existenzweise entfremdeter Subjektivität hin.

[8] Die klassischen Formulierungen dieser Ansätze sind Aglietta (1979) und Glyn / Sutcliff (1974).

[9] In der deutschen Ausgabe des Kapital benutzt Marx den Ausdruck »automatisches Subjekt«. In der englische Ausgabe wird dies mit »automatisch aktiver Charakter« übersetzt (Marx 1983, S. 152).

[10] Siehe z.B. Jessop (1991), dessen Ansatz auf diesem Mißverständnis beruht.

[11] Ich benutze den Ausdruck »Abstraktion in Aktion« um darauf hinzuweisen, daß Wert nicht statisch ist, sondern ständig in Bewegung. »Aktion« enthält die Idee der Transformation von Objektivität (die Objektivität der Arbeit als zweckvolle Tätigkeit) in Subjektivität (die Subjektivität von Dingen), und umgekehrt die Transformation von Subjektivität in Objektivität (Objektivität der gesellschaftlichen Existenz). »Abstraktion« enthält die Auffassung, daß das, was sich bewegt, tatsächlich eine konstatierte Selbstwidersprüchlichkeit ist, nämlich die konstitutive Kraft der Arbeit, die gegen sich selbst in der verkehrten Form des Werts existiert. »Abstraktion« und »Tätigkeit« existieren als Momente desselben Prozesses, der »entfremdete Subjektivität« ist.

[12] Schließt man sich der Vorstellung an, das Kapital hätte eine eigene Logik unabhängig von der Arbeit, so könnte die widersprüchliche Einheit der Mehrwertproduktion nur als Konflikt zwischen verschiedenen 'Fraktionen■ des Kapitals gefaßt werden, zwischen Produktions- und Finanzkapital. Worum diese verschiedenen Kapitalfraktionen konkurrieren bleibt unerklärt, da die gesellschaftliche Konstitution des Werts nicht begriffen ist.

[13] Siehe Jessop (1985); zur Kritik daran siehe Bonefeld (1993a).

[14] Zum Ausdruck »Existenzweise« [mode of existence] siehe Gunn (1987, 1992).

[15] Damit ist nicht gesagt, daß ich Negris Auffassung des Werts als einer ökonomischen Kategorie zustimme.

[16] In der deutschen Ausgabe des Kapital spricht Marx vom »Geld« als einer begriffslosen Form. In der englischen Ausgabe des Kapital wird begriffslos mit »meaningless« übersetzt. Diese Übersetzung ist irreführend. [Wörtlich wäre »meaningless« als »bedeutungslos« oder »sinnlos« zu übersetzen. Anm.d.Ü.] Ich gebrauche den Begriff »meaningless« hier und im Folgenden in der Bedeutung von »losing its grip« und damit als »deprived of meaning«. In diesem Sinne ist der Begriff viel näher an dem deutschen Ausdruck »begriffslos«. [In der Übersetzung haben wir »meaningless« durchgehend mit »begriffslos« übersetzt. Anm.d.Ü.]

[17] Einige Autoren begreifen die widersprüchliche Beziehung zwischen »Kredit und der Fabrik« so, als würden die Banken produktive Aktivitäten unterdrücken (Fine und Harris 1985). Diese Betrachtungsweise ist irreführend, weil sie unterstellt, Kapital sei nicht dazu gezwungen, Geld aus Geld zu machen. Die Frage ist nicht, was das Kapital gezwungen ist zu tun. Die Frage ist vielmehr, was den widersprüchlichen Charakter der kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnisse konstituiert.

[18] Aus Platzgründen können wir hier den Begriff der 'kapitalistischen Krise■ nicht systematisch entwickeln. Zur Krisentheorie von Marx siehe Bell und Cleaver (1982) und Clarke (1994); siehe auch Bologna (1993a, 1993b), Holloway (1992) und Bonefeld (1988).

[19] Siehe Clarke (1988a) und Bonefeld (1993b) zur monetären Zersetzung der Klassenverhältnisse in Großbritannien während der 80er Jahre.

[20] Siehe hierzu Rosdolsky (1973, Kap. 33).

[21] Solch ein Verständnis findet sich bei Poulantzas (1973); Van der Pijl (1984); Ingham (1984); Fine und Harris (1985) und Anderson (1987); zur Kritik daran siehe Clarke (1978, 1988b).

[22] Siehe Bonefeld (1992) als eine systematische begriffliche Entwicklung der Form des Staates als einer Existenzform der Arbeit im Kapitalismus.

[23] Siehe auch »Globales Kapital und Nationalstaat« von Holloway, das 6. Kapitel in diesem Buch, und »Kapital, Krise und das internationale Staatensystem« von Burnham, das 5. Kapitel in diesem Buch. Siehe auch Burnham (1990) und Bonefeld (1992).

[24] Siehe auch Clarke (1988a).

[25] In der historischen Entwicklung beanspruchte der Staat für sich die Macht, die inflationäre Aufblähung des Geldes einzuschränken. Diese Machtmittel lieferten die Basis für die staatliche Geld- und Finanzpolitik (siehe Marx 1894 zum Bank Act von 1844).

[26] Siehe Bonefeld (1993b, Clarke (1988a); und »Das Geld als Kommando - und wie es in der aktuellen Krise unterlaufen wird« von Cleaver, in diesem Zirkular.

[27] Siehe z.B. Barret Brown (1993) zum Krieg im früheren Jugoslawien, Cleaver (1977) zum »Hunger und Krise«, Postone (1986) zur politischen Ökonomie des Antisemitismus, so wie Aly und Heim (1991) zur 'Bevölkerungspolitik' im Nationalsozialismus. Siehe auch Bonefeld (1988).


[Startseite] [Archiv] [Bestellen] [Kontakt] Zirkular: [Nr. 30/31] [Ausgaben] [Artikel] [Themen]