Wildcat-Zirkular Nr. 38 - Juli 1997 - S. 8-9 [z38indon.htm]


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Indonesiens Datenautobahn ist zu schnell für Suharto

Seit 30 Jahren kontrolliert Präsident Suharto das ausgedehnte Inselreich mit harter militärischer Hand, über der er jedoch den seidenen Handschuh des Fortschritts trägt.

Suhartos Erfolgsformel war einfach und effektiv: Gib dem Volk Konsumgüter, Visionen einer goldenen Zukunft und Informationen, die den Nationalismus fördern und das Regime glorifizieren.

Es funktionierte bis Satellitenschüsseln auftauchten, in den verschlafenen Städtchen wie Karawang Sendetürme fürs Mobilfunknetz auf den Reisfeldern gebaut wurden und Computergeschäfte Zugang zum Internet ermöglichten.Jetzt steht Suharto (75) einem Dilemma gegenüber. Einerseits sucht er Wege, die Flut von Informationen aus dem Ausland einzudämmen. Seine Berater halten diese für zum Teil verantwortlich für die jüngste Welle von Aufruhr in Mitteljava, dem industriellen Zentrum Indonesiens.

Andererseits: Wie kann seine Regierung der »Neuen Ordnung«, deren Ideologie auf Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger rigider sozialer Stabilität basiert, die Kommunikationswege kontrollieren, ohne daß dadurch Wirtschafts- oder andere notwendige Kommunikation behindert wird?

Einem ähnlichen Dilemma stehen auch andere autokratische Regiemes in Südostasien gegenüber, von Rangoon bis Hanoi und Beijing.

Die dortigen Führer sehen, daß ihre Autoriät durch den globalen Datenhighway untergraben wird, da die verfügbaren Informationen die offizielle Propaganda oft widerlegt.

Letzten Monat warnte Suharto in einer Rede: »Der freie Fluß weltweiter Information hat die Menschen aller Länder näher zueinander gebracht. Aber dadurch wird es möglich, daß fremde Wertmaßstäbe den Sinn für Nationalismus unterwandern. Diese fremden Einflüsse sind so stark, daß manchen Leuten nichts mehr an der Einheit ihrer Nation liegt.«

Die kleine Stadt Karawang, 50 km östlich von Jakarta ist symptomatisch für diese Informations-Revolution. Die Satellitenschüsseln können aus Übersee Nachrichten empfangen, die in den einheimischen Nachrichten verschwiegen werden. Nur so können die hiesigen Einwohner etwas über die blutigen ethnischen Zusammenstöße auf Borneo und das Abbrennen und Plündern von chinesischen Geschäften überall auf Java erfahren.

Die Bilder der brennenden Dörfer hatten einen Effekt, über den der Präsident erfreut gewesen wäre: Die Stadt wurde mit den gelben Fahnen der Regierungspartei GOLKAR geschmückt. Hausbesitzer schrieben »Muslim« auf ihre Zäune und Mauern.

In Rengasdengklok, einer kleinen Stadt ein paar Kilometer weiter war die Wirkung anders. Dort leben von der Wirtschaftsentwicklung Marginalisierte, vor allem Arbeitslose und Analphabeten, die in der Moschee Trost suchen und den Lehren ihres örtlichen religiösen Führers folgen.

Im letzten Monat wütete ein muslimischer Mob eine ganze Nacht gegen chinesische Häuser, zündete eine protestantische Kirche und einen chinesischen Tempel an und hinterließ eine ratlos nach Erklärungen suchende Stadt.»Wir hatten bisher nie Probleme hier«, sagte die chinesischstämmige Ety Wisuda, deren Haus geplündert und mit Steinen beworfen worden war. »Aber ein neuer Fernmeldeturm macht es möglich, daß die Leute mit ihren Verwandten in anderen Städten telefonieren. Und manche können TV empfangen. Nachdem die Krawalle in anderen javanischen Städten im Fernsehen waren, versammelte sich der Mob. Ich bin sicher, daß dies der Grund für alles war.«

Chicago Tribune, 23.4.97


Indonesiens Budget

Im Zusammenhang mit den Bemühungen, Armut und soziale Unruhen zu vermindern, verkündete Indonesiens Päsident Suharto heute einen Ausgabenplan. Dieser soll sowohl den Armen helfen, als auch die wirtschaftliche Stabilität erhalten. Der Staatshaushalt 97 beträgt $43 Mrd., davon sollen $19 Mrd. für soziale und wirtschaftliche Programme zur Linderung der weitverbreiteten Armut ausgegeben werden.

Voice of America, 6.1.97


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