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7. April 2026

aus: Wildcat 115, Frühjahr 2026

7. April 2026: die Wildcat 115 ist los!

Am 7. April 1979 wurde in Italien die Autonomia Organizzata abgeräumt. Am selben Tag hatten wir großes Treffen aller Stadtzeitungen in Freiburg – und schickten ein Protest-Telegramm an ein aus unserer Sicht von oben aufgesetztes Projekt: Die erste reguläre taz sollte am 17. April 1979 erscheinen. – Am 17. Oktober 2025 erschien ihre letzte werktägliche Print-Ausgabe. Und im März 2026 wurde letztmals der Vorwärts gedruckt – obwohl die SPD bei den Landtagswahlen in Ba/Wü mit 5,5 Prozent doch satt über der Fünfprozenthürde lag!

»Was haben wir Linken gekämpft! Und jetzt? Diese Welt ekelt mich an. Toxische Männer, rechte Politiker, Aufrüstung und Sozialabbau. Die Nachrichten sind kaum auszuhalten. Was ist geblieben von den linken Kämpfen, die wir geführt haben?«, schluchzte Ulrike Baureithel im freitag (16.2.26)

»Partisan und Parmesan, wo sind sie geblieben?
Partisan und Parmesan, alles wird zerrieben«
ätzte Matthias Beltz.

Zum Ekel trägt die Straffreiheit der Herrschenden bei; gerade wurde das Verfahren gegen Jens Spahn wegen Maskendeals eingestellt. Aber Ekel und Verzweiflung dürfen nicht unsere Politik bestimmen!
Und wir sollten nicht mit Weltuntergangsphantasien arbeiten – das kann Peter Thiel besser!

Vielleicht hilft ein kurzer Blick in die Geschichte:

Iran 1953

Damals gab es eine konstitutionelle Monarchie mit einem gewählten Parlament. Premierminister Mossadegh hatte die britische Ölkonzession im Iran verstaatlicht und wollte damit soziale Leistungen finanzieren; die Sowjetunion versprach Wirtschaftshilfe. Roosevelt setzte den Schah unter Druck, Mossadegh abzusetzen. Der Schah schickte den Chef der kaiserlichen Garde mit der Entlassungsurkunde. Mossadegh löste die Garde auf und sprach von Putsch. Der Schah floh erst in den Irak, dann nach Rom. Aber CIA und MI6 stürzten Mossadegh und setzten ihn wieder ein. »Die CIA hatte sich die Gefolgschaft von Soldaten und Straßengesindel gekauft und konnte den Gewaltpegel schaffen, der zur Durchführung eines Putschs ausreichte. Geldsummen wanderten in bestimmte Hände, und diese Hände führten einen Regierungswechsel herbei.« (so das ehemalige CIA-­Mitglied Ray S. Cline)

»Suezkrise« 1956

Nach dem Sturz König Faruqs 1952 war in Ägypten eine junge Generation nationalistischer und pan­arabischer Offiziere an die Macht gekommen. Im Juli 1956 verstaatlichte Staatschef Nasser die Suezkanal-Gesellschaft. Der Kanal hatte große Bedeutung für die Erdölversorgung Großbritanniens, und Frankreichs Regierung wollte Ägypten seine Unterstützung der algerischen Befreiungsbewegung FLN heimzahlen. Mit Hilfe Israels wollten sie den zum »Hitler vom Nil« stilisierten Nasser stürzen.

Im November 1956 landeten britische und französische Truppen; sechs Flugzeugträger vernichteten die ägyptische Luftwaffe, israelische Truppen zerstörten die ägyptischen Panzer. In weniger als einer Woche Krieg hatte Ägypten seine strategischen Streitkräfte verloren und schien hilflos. Doch Nasser hatte Dutzende rostiger, mit Steinen beladener Schiffe an der nördlichen Einfahrt des Kanals versenken lassen. Das unterbrach Europas Lebensader zu den Ölfeldern am Persischen Golf. Als Groß­britannien auf Druck der USA seine Truppen zurückzog, war es von der UNO sanktioniert worden, seine Währung stand kurz vor dem Zusammenbruch und sein weltweites Imperium vor dem Untergang.

Das Jahr 2026 begann schlecht

  • Am 3. Januar wurde durch Sabotage ein Stromausfall in Berlin ausgelöst
  • Am 3. Januar bombardierten die USA Venezuela und entführten Maduro und dessen Ehefrau
  • Am 28. Februar griffen Israel und die USA den Iran an; zuvor war dort eine Revolte nieder­geschlagen worden.

Als wir das letzte Heft rausbrachten, stürzte gerade das Assad-Regime. Auf den letzten Drücker schrieben wir dazu ein paar Zeilen. Wir kommen kurz auf die Entwicklung seither zurück.
Außerdem sind folgende Artikel im Heft: Am Anfang versuchen wir eine Einschätzung der aktuellen Lage. Im zweiten Artikel analysieren wir die Dynamik des Staatsumbaus in den USA.
Im Krieg stehen die proletarischen Kämpfe im Iran und in den USA im Zentrum.
Deshalb bringen wir eine Analyse des letzten Aufstands im Iran und eine ausführliche Beschreibung der Klassenzusammensetzung in den USA plus ein Interview mit Boeing-Arbeitern.
Ansonsten: Vulkangruppen: Eruption der Dummheit und »Nehmt euch das Öl« – Die Entführung der Maduros.

– das muss nicht heißen, dass es auch schlecht endet!

Im Iran, in Israel und in den USA müssen die Leute aufstehen und ihre Regierungen entwaffnen!

Und wir alle müssen ihnen dabei helfen. Stoppt den Krieg!

 
 
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